Reise Reise! Patagonien, ein “Einblick”…

2 Jun

Ein Reisemonat ist jetzt vorbei und ich habe genügend Zeit meine Erlebnisse aufzuschreiben, da der nächste Reisemonat noch lange auf sich warten lässt. Eines kann ich euch jetzt schon sagen: Reisen ist wunderbar und tut Geist und Seele richtig gut. Reisen ist die etwas andere Droge!

Also um euch nicht all zulange auf die Folter zu spannen schieß ich gleich los.

Da mein Reisepartner Sebastian erst am vierten April in Buenos Aires ankommen sollte, aber ich bis dahin schon vier freie Tage hatte, beschloss ich, in die zweit größte argentinische Stadt zu gehen.
Der Name ist bestimmt einigen bekannt: Cordoba! Ich war ja mit Jan, dem Freiwilligen in Chilecito, schon in der Umgebung von Cordoba. So war ich hauptsächlich an der Stadt interessiert.
Aber joar, Cordobar hat was meine lieben Leser und Singels.

Ich bin in Cordoba angekommen und in die Innenstadt gelaufen um mir die alten historischen Gebäude anzuschauen. Den Placa Central und die nettesten Straßen. Ich war wirklich beeindruckt. Die ganzen schönen Studentinnen haben auch fleißig dazu beigetragen. Nach dem ich mit einem Argentinier gesprochen habe, wusste ich das Cordoba die Unistadt von Argentinien ist. Was die hohe Anzahl der jungen Studenten bestätigt. So habe ich auch erfahren, dass diese Stadt der Geheimtipp ist. Also sonst gilt „Mar del Plata“ als Stadt mit den schönsten Argentinieren, aber man munkelt, dass es Cordobar in Wirklichkeit ist.


Ich habe mich nur zwei Tage in Cordobar aufgehalten und trotz eingefangener kleiner Lebensmittelvergiftung einen guten Eindruck von der Stadt bekommen, und kann sie jedem Argentinienreisenden empfehlen!

Jetzt wo ich so nachdenke: Also eigentlich kann ich alles was Sebastian und ich besucht haben empfehlen. Sozusagen schreibe ich gerade ein riesiges Empfehlungsschreiben.

Am Nachmittag des zweiten Tages in Cordoba, gings meinem Magen-Darmtrakt und meiner Körpertemperatur nicht so gut. Aber da ich die plötzlich auftretenden Symptome schon von drei (währen meinem Argentinien Aufenthalt) Lebensmittelunverträglichkeiten kannte, habe ich mir keine Sorgen gemacht. Aber die fiebrige Busfahrt nach Buenos Aires war trotz alledem nicht so toll, aber ein Reisender kennt kein Schmerz!

Angekommen und nach einem ausführlichen Mittagschlaf im Hostel habe ich auch gleich Ward, einen Belgier kennengelernt. In den folgenden Tagen habe ich dann Ward ein bisschen Buenos Aires gezeigt. Viel Neues gab es nicht in Buenos Aires zu erleben, habe viel Englisch gesprochen und so ein bisschen meine Englischkenntnisse verbessern können. Außerdem gab es noch eine neue Bekannschaft.

Ich durfte eine neue Spezies in meinem Bett willkommen heißen. Sie heißt : Cimex lectularius
Auf deutsch: Bettwanzen. Ich bin irgendwann nachts aufgewacht und wurde von einer Kolonie Bettwanzen begrüßst. Sagen wir es mal so, es war abgefahren, weil ich erst gar nicht wusste was das für Dinger sind. Kakerlaken hab ich nach meiner ersten Befürchtung ausgeschlossen, da ich die ja von den Straßen in Mendoza kenne!
Nach erfolgreicher Verscheuchung wurde ich dann die Nacht zum Glück nicht von den kleinen Blutsaugern gestochen.
Am nächsten Morgen habe ich dann dem Hostelpersonal Bescheid gegeben und so wurden alle meine Sachen gewaschen. Weil ich sie ja vielleicht mitgebracht habe. War sehr gut, weil ich eh waschen musste. Aber ich war mir ziemlich sicher, dass ich keine 30 köpfige Bettwanzenfamilie in meinem Rucksack hatte, die sichs dann auch gleich unter meinem Stockbett eingerichtet haben.
Das gute war, ich bekam super saubere und wirklich soooo gut riechende Wäsche zurück!

Am folgenden Tag hat mich dann Sebastian in Schrecken versetzt. Er wartete in München vergebens auf den Flug nach Madrid und es war vorhersehbar, dass er den Anschlussflug nicht bekommen würde. Ich sah mich dann schon in der Weltgeschichte rumhetzen um unsere Flugtickets zu verkaufen, verschieben wie auch immer. Zu Glück gab es aber einen halben Tag später einen Flug von Madrid nach Buenos Aires. Sebi kam dann in den frühen Nachtstunden in Buenos Aires an anstatt in den frühen Morgenstunden. Völlig ausgehungert, Sebi total übermüdet, haben wir die Nacht auf den Flughafen verbracht.

Die nächsten Worte würde ich mir am liebsten ersparen:
Da man seine Freude über den Besuch und die schlussendliche reale Begegnung seines Freundes kaum in Worte fassen kann, hat man auch entsprechen viel zu reden. Vor lauter Aufregung und überhaupt, habe ich meinen Sombrero in dem Transitbus von Flughafen zu Flughafen vergessen. Leider auch nicht mehr aufgetaucht. Einziger Trost – Ein Ostergeschenk (und was für eins) für irgendeine unbekannte Person.

Ushuaia
8 Uhr morgens sind wir dann in ein Flugzeug von Aerolinas Argentina gestiegen. Der Anflug auf Ushuaia, die südlichste Stadt der Welt, soll wohl einer der schönsten Anflüge weltweit sein. Wir können das leider nicht bestätigen, da das Wetter total schlecht war. Regen, Schnee und viel Wind.
Was wir bestätigen können ist, dass man gespannt auf das zerschellen des Flugzeugs auf der Wasseroberfläche wartet.

Ja! Toll! Sebi, schön dass wir uns so kurz gesehen haben“ waren meine Worte.
Wir sanken und sanken und das Wasser kam wirklich ungeheuerlich schnell näher. Dann zwei Sekunden das Land gesehen und aufgekommen. Spektakulär aber gut gelandet, vor allem total sanft ich war beeindruckt und erleichtert.

Und dann gab es auch schon gleich was zu lachen! Die Gesichter von denSicherheitsbeamten, allgemein dem Flughafenpersonal waren lustig. Man sieht ja auch nicht alle Tage einen Deutschen in Badehose und bei Schneefall. Umgezogen, die ersten Beweisfotos erfolgreich abgeschlossen, ging es auf in die Stadt zur Hostel Suche. Beim 2ten Anlauf hat’s auch gleich geklappt und es war sogar das billigste Hostel in ganz Ushuaia. Sebi hatte während seinen zwei Anreisetagen kaum was gegessen, was man ihm auch wirklich angesehen hat und ich war auch schon wieder hungrig. Wir zwei Jäger, sind also erstmals in einem Supermarkt jagen gegangen. Nudeln und Tomatensoße sollte die erste und auch die meist gegessene Mahlzeit während den kommenden vier Wochen sein.

Die jagt auf den Supermarkt, war super, denn die hat uns durch die ganze Stadt geführt. Ushuaia ist gar nicht sooo groß, aber sehr sehr schön und europäisch. Viele Markenläden gibt es dort, auch „billig“ weil Ushuaia und Puenta Arenas (in Chile) in der so genannten fränkischen Zone sind. Das heißt man zahlt keine Steuern auf die ganzen Sachen.

Ja am ersten Tag haben wir uns erstmals ausgeruht, war ja auch schon spätnachmittags als wir die Nudeln mit der faden Tomatensoße zu uns genommen haben.
Am nächsten Tag wurden wir dann mit einem bewölkten Wetter gegrüßt, und haben eine kleine Miniwanderung gemacht. Lustig war es alle mal:

Und es zeigte sich, dass die Sonne heraus kommen sollte. Also noch schnell eine Bootstour gebucht und noch was in den Magen gebracht. Als die Sonne heraus kam, hat man die wirkliche Schönheit von Ushuaia erkannt. Man kann das Gefühl gar nicht beschreiben das man hat, wenn man auf die Landschaft schaut. Man ist eigentlich nur ergriffen und schaut auf ein Postkartenmotiv!

Auf der Bootstour, hatten wir einen Argentinier als Guide, der sooo lustig war, schade das Sebi nicht alles verstanden hat, aber er hatte einen guten Übersetzer ;) Ausserdem haben wir auf der Tour Marie kennengelernt. Eine Mexicanerin. Sie war sichtlich begeistert von unserer Lebendigkeit und fand es urkomisch einen Deutschen zu treffen, der ein pur argentinsiches Spanisch spricht.

Die Tour die wir gemacht haben, haben wir über „Tres Marias“ gebucht. Das ist der einzige Tourenanbieter, der eine Lizenz zum Töten, ähh zum Aussteigen auf der Isla H hat. Die Isla H ist ein Naturreservat. Aber der Reihe nach. Wir sind auf einem kleinen Segelboot mit einer Gruppenanzahl von zehn Personen zu einer Insel gefahren, wo Seelöwen und Kormorane lebten. Das war auch echt verrückt.

Der Gestank, den die Tiere verbreiteten, war mindestens genau so verrückt. Wir sind auch echt richtig nah an die Insel herangefahren.

Und danach ging es zur berüchtigten „Insel H“. Auf der Insel haben wir auch Sebis Kamera warm geschossen. Haben in 45 Minuten ca. 500 Fotos geschossen.

Hier ein paar Schmankerl

Unser Guide konnte auch ein bisschen deutsch sprechen. Es war echt sehr lustig. Es stellte sich heraus, dass er ein mal im Jahr für vier Monate in Hamburg ist. Er hat dort natürlich eine deutsche Freundin!
Während dem vielen Witze reißen hat er aber auch total viel über Ushuaia und die Umgebeung und allgemein zum Feuerland erzählt.
Ich will euch natürlich nicht vorenthalten, was er über das Feuerland (Tierra del Fuego) erzählt hat.

Der Name Feuerland entstand aus einer recht lustigen Situation. Das obere Bild zeigt die Einheimischen, vor ein paar Jahrhunderten, noch vor der “Entdeckung” Feuerlands. Die Einheimischen, hatten nur einen Schortz an, wohlgemerkt bei fast durchgängigen Temperaturen um den Gefrierpunkt. Deshalb, wenn sie nicht liefen, saßen sie immer gebeugt. Knochenbefunde zeigten, dass sie dadurch viele Knieprobleme hatten.
Bei Gefahr warfen die Einheimischen Rauch verursachendes Material ins Feuer, um andere zu warnen.
Die Ureinwohner waren natürlich nicht nur auf der Isla H, sondern über das ganze „Feuerland“ verteilt.
Jetzt stellt euch vor, was die Person, die auf einem Schiff, das erste mal an der Küste vom jetzigen Feuerland vorbeifuhr gesehen hat. Viele viele viele Rauchsäulen. Bestimmt ein erschreckendes aber zu gleiche beeindruckendes Bild. So entstand der Name Feuerland, Tierra del fuego.

Die nachfolgende Zeit war für die Einheimischen dann nicht so toll. Die „Eroberer“ haben natürlich unbekannte Krankheiten mitgebracht. Dadurch dezimierte sich die Anzahl der Ureinwohner innerhalb zehn Jahren sehr.

Das wurde uns auf dieser Bootstour erzählt.

Danach ging der Marsch durch das Naturreservat weiter.

Zusätzlich zu der beeindruckenden Vegetation kam dann noch der Sonnenuntergang. So was doofes aber auch ;)
Es war eine wahnsinns Stimmung. Mit toller Sicht auf Ushuaia und die dahinter liegenden Berge.


Man wurde mal wieder sprachlos.

Nach der wirklich, wirklich tollen Tour, sind wir heiße Schokolade trinken gegangen und kurze Zeit später waren wir im Hostel.
Wir hatten vor am nächsten Tag im Parque National Tierra del Fuego zu campen.
Aber es sollte ein bisschen anders kommen.

Das Wetter am nächsten Tag lud nicht besonders auf ein (in diesem Fall) „Schneecamping“ ein.
So haben wir lange überlegt, was wir machen und wie es überhaupt weitergehen sollte. Wir beschlossen auf eine Wanderung in den National Park zu gehen.

Die Wanderung war wirklich unglaublich toll. Und der Park ist nun ja … wie so oft… unbeschreiblich. Die wahre Schönheit bei Sonne und blauem Himmel will ich mir gar nicht vorstellen!

Es hat sich auch echt als Glücksfall herausgestellt, dass wir nicht im Nationalpark gecampt haben. Unser Bus zum nächsten Stop ging nämlich schon morgens um sieben Uhr.

Punta Arens, hieß das Ziel. Ab nach Chile.

Punta Natales und fast Torres del Paine

Kurz vor unserer Abfahrt nach Punta Arenas nach Chile, haben wir Caroline und Christoph aus Sachsen kennengelernt. Nach eine paar kurzen „warm werd“ Minuten war uns klar, das die Busfahrt ziemlich lustig werden würde. Aber nicht nur die Busfahrt, denn mit den zweien aus Sachsen bildete sich eine Reisegemeinschaft. Wir vier blieben bis in das noch entfernte Bariloche zusammen. Doch erstmals teilten die Zwei uns ihre Reisepläne mit. Sebi und ich hatten andere Informationen zu den Busfahrzeiten von Punta Arenas nach Punta Natals. Wir dachten wir müßten noch einen Tag in der südlichsten Stadt des amerikanischen Kontinentes bleiben, aber Caroline teilte uns mit, es gäbe gleich einen Anschlussbus nach Punta Natales. Also schlossen wir uns dem Plan an!

Auf der Fahrt waren wir beeindruckt von der Landschaft. Wenn man die Ausläufern der Anden verläßt, sieht man gleich die unglaubliche Landschaft von Patagonien.
Weites unendlich weit erscheinendes Weideland.

Vom dem Bus aus war es soo toll anzuschauen. Bei einem Blick auf das Grenzschild wusste Sebi Bescheid.

Ein Fuß aus dem Bus raus und man versteht sein eigenes Wort nicht mehr. Es windet unglaublich stark.

Deshalb stehen hier keine Bäume!

Es war einfach ein super Gefühl! Luftig, um es zu beschreiben.
Es ging aber nach kurzer Zeit schon weiter auf unserer Fahrt. Nach verwirrenden 30 Minuten in Punt Arenas, sind wir abends um 10 in Punta Natals in einem Hostel angekommen.

Dann ging die „Tragödie“ los:

Von Punta Natales aus starten die ganzen Ausflüge in den Nationalpark Torres del Paine. Dieser liegt ungefähr 140 km von dem Städle entfernt und schmückt sich mit dem Titel, dass er wohl der schönste Nationalpark in ganz Südamerika ist. Da wollten wir hin.
Die gute Frau im Hostel sagte uns, dass Busse um sieben Uhr morgens oder um 14 Uhr dorthin fahren. Unser Plan war, dass wir endlich unser Zelt auspacken und den Chilenen zeigen, wie man richtig campt. Dazu mussten wir uns aber erst einen Topf zum Kochen kaufen.

Gesagt getan. Am nächsten morgen machten wir uns gemütlich auf. Nach unserem erfolgreichen Einkauf, machten wir uns auf die Suche nach einem Unternehmen, dass uns um 14 Uhr mit einen Bus zum Nationalpark fährt.

Nach längerem suchen, oder anders genannt: Nach längerem herumgeirre, haben wir die Suche beendet. Erfolglos!

-„Sebi, was machen wir jetzt?“
-“Joar keine Ahung“
- „ Okay wir versuchen zu trampen“

Also haben wir uns an den Straßenrand gestellt! Möglichst auffällig!

Was erst erfolglos schien, wurde zum Teilerfolg!
Wir sind bis zur Mitte der Strecke gekommen. Ein altes chilenisches Ehepaar hat uns mitgenommen.

Nun waren wir genau in der Mitte zwischen der Stadt und dem Nationalpark. Wartend. Zwei Stunden! Dann haben wir überlegt was wir machen. Wildcampen? Einen Topf hatten wir ja!
Aber das war uns dann auch zu unbequem. Wir warteten noch ein bisschen. Tatsächlich kam ein Bus um ca. drei Uhr nachmittags an uns vorbeigerauscht. Es gab also doch irgendeine Agentur die einen Bus hatte, der um 14 Uhr abfährt. Wir haben sie jedenfalls nicht gefunden!
Wir warteten weiter! Die chilenische Polizei wollte uns auch nicht mitnehmen.
Dann, dann , kam ein Auto. Aber aus der anderen Richtung und wir beschlossen, dass wir mit dem zurück fahren, bevor wir hier am Straßenrand das Zelt aufbauen mussten. So hatten wir einen kleinen kostenlosen Trip. Einen Eindruck von der Landschaft konnten wir uns machen.

Dann begann wieder alles von neuem. „Was machen wir jetzt“ und so weiter. Aber unser Entscheidung wurde uns erleichtert. Abends im Hostel trafen wir wieder auf unsere zwei Reisebegleiter, die aber mit dem Bus morgens um sieben Uhr los sind, für einen Eintagesausflug in den Park. Waren aber nicht soooo begeistert von der Tour. Dann kamen auch noch zwei andere Deutsche, die acht Tage dort gecampt haben, die erzählten, dass das Wetter nur Scheiße war und überhaupt alles nicht sooooo toll war. Damit war unsere Entscheidung getroffen, am nächsten Tag sollte es wieder nach Argentinien gehen. Nächste Station El Calafate! Tuuut Tuuut

El Calafate

Unsere Reise hat uns über Chile geführt, da in Chile die Buspreise um einiges billiger sind als in Argentinien. Aber dazu etwas später mehr.

Mittags um drei Uhr waren wir in El Calafate, die berühmte Touristenstadt. 80 Kilometer außerhalb von Calafate befindet sich der einzig wachsende Gletscher. Der Perito Moreno Gletscher. Laut Erzählungen reicht er von den Viertausendern bis runter zum Lago Argentino. Muss also ein gutes Stück zurücklegen. Wir waren super gespannt. Am nächsten Tag sollte es los gehen.

In Calafate angekommen, wurde unser Gepäck Wort wörtlich aus dem Bus geschmissen und als wir ausgestiegen waren, lagen die Gepäckstücke neben dem Bus. Wruuummm und schon was auch der Bus wieder weg, als der letzte ausgestiegen war. Kurz sortiert und auf ging’s zum Hostel.
Wir waren im Hostel „America del Sur“, zu viert haben wir ein vierer Zimmer bekommen mit eigenem Bad! Ein ganz neuer Luxus.


Wir haben unsere Sachen einfach im Zimmer gelassen, abgeschlossen und haben uns zu Stadtbesichtigung aufgemacht.

Eine kleine Überraschung gab es dann wieder beim Hosteleingang. Vor der Rezeption gab es ein kleines Räumlein wo man doch bitte seine Wanderschuhe abstellen sollte, um den Boden nicht dreckig zu machen.
Ja wo waren eigentlich unsere Wanderschue?
-“Sebi hast du unserer Wanderschue?“
- „Ne ich dachte die hast du!“
-“Wo haben wir die eigentlich hineingepackt!“
-“Die hatten wir in der roten Rewe-Tasche“

Ja wo war die praktische Rewe-Tasche? Wir hatten geistliche Unterstützung von den Zwei aus Sachen und konnten uns beim besten Willen nicht daran erinnern, dass die Tasche mit ausgeladen wurde.

Auf zur Oficina der Busgesellschaft. Dort habe ich die freundlichste Frau auf der ganzen Welt getroffen die sofort alles organisiert hat und wir hatten unsere Schuhe gleich in den nächsten 20 Minuten wieder.
Naja das wäre der Idealfall gewesen. Ich hab das erste mal auf castellianisch geflucht, weil die Frau eine totale Spinatwachtel war. Die hat bei allem die Augen verdreht und war auch nicht sehr kompetent. Wenigstens hat sie uns dann gesagt , bei all den „Umständen“ die wir ihr bereitet haben, das der gleiche Busfahrer mit dem Bus am nächsten Tag zurück nach Punta Natales fährt. Wir sollen morgen früh kommen und dann schauen was passiert.

Sind früh gekommen haben geschaut was passiert:
Der Busfahrer ,der reichlich kompetenter war als diese Gurke im Büro der Busgesellschaft, hat uns schon von weitem angegrinst. Ja für uns war es ja nicht so lustig. Die Wanderschuhe waren beide „neu“, Sebi hat seine Schue eine Woche vor der Reise gekauft. Wenn diese weggewesen wären, wäre es einfach ein totaler Reinfall gewesen.
Aber wars nicht. Die Schuhe waren noch im Bus. Der liebe Busfahrer hat sie wohl übersehen als er das Gepäck „entladen“(rausgeschmissen) hat. So schnell wir er dann weg war haben wir die Tasche aus den Augen(aus dem Kopf) verloren.

Glücklich haben wir uns dann auf den Weg zum Perito Moreno Gletscher gemacht. Mit Wanderschuhen!

Auf der Fahrt, haben wir gedacht, dass das Wetter verrückt gut wird. Der Sonnenaufgang was spektakulär.

Doch wir sind in die totalen Wolken rein gefahren. Von weitem dann konnten wir den Gletscher sehen. Ich hab mich gefreut wie ein kleines Kind! Für mich war es mit eines der Highlights. Endlich waren wir da.
Man fiebert das ganze Jahr auf die Reise hin und dann irgendwann ist es so weit. Ich war an den Orten wo ich schon immer hinwollte in Argentinien. Es war ein tolles Gefühl. Mir hat es ja schon gereicht den Gletscher von Weitem zu sehen. Aber nein, der Bus ist immer näher gefahren. Dann konnte man auch noch irgendwelche Treppen runter laufen.
Da war ich. Da waren wir. Wir standen vor einer 70 Meter hohen Eiswand, wo ab und an was abbricht.

Das ist sooo verrückt, das könnt ihr euch nicht vorstellen. Da steht man so vor einer meterhohen Eiswand. Es strahlt einem das bläulichste Blau aus den Eisspalten entgegen. Man möchte gar nicht mehr aufhören hinzusehen.
Dazu kommt, dass bei jedem kleinsten Geräusch wir uns immer ganz schnell umgedreht haben. Es könnte ja ein Stück ins Wasser fallen und darauf warteten wir ja.

Im Prinzip ist es ja nicht so spektakulär, wenn Eis ins Wasser fällt. Das ist ja wie wenn Wasser ins Wasser fällt. Naja, jedenfalls hat der Gletscher es gut gemeint mit uns und hat eine Kostprobe von dem gegeben was er kann. Da kracht es auf einmal und rummst, die Geräusche fahren einem durch Mark und Bein man schaut „Wo? Wo? Wo?“ schlussendlich sieht man „ein kleines“ Stück abbrechen. Dann klatscht ein Halbhaus großes Stück Eis ins Wasser . Kawutschhbuummkrachspliter Wasserfontäne! Geil!
Das war sowas geiles. Es war einem alles egal. Der Schneeregen dem man nur mit Windjacke entgegen eifert, dem Wind der einem um die Ohren bläst und Händle und Öhrle abfriere lässt.


Ich wollte den Gletscher zerbrechen sehen! Wir haben ihn angefeuert, aber das war vorerst alles.

Nach einer Stunde auf Eis schauen war uns der Regen und der Wind dann auch nimmer egal. Wir sind in das mega überteuerte Cafe gegangen um uns aufzuwärmen. Dort haben wir uns zu zwei „halb bekannten“ Schweizern gesetzt. Sie waren auch im Bus von Punta Natals nach Calafate.

Es war sehr lustig! Schlussendlich, nach zwei Stunden, haben wir unser wärme Reservat wieder aufgefüllt und das Lachreservat ausgeleert gehabt.
Wir hatten noch nicht genug vom Gletscher und das Wetter lies eine weitere Sicht zu!

Dann schauten wir wieder auf Eis. – „Da ein Spalt!“ – Ein Spalt ist jetzt ja auch nicht so was besonderes, wird es aber, wenn er immer größer und größer wird. Wir konnten uns gar nicht vorstellen was passiert, wenn tatsächlich dieses Stück, abbreche sollte. Ich hatte Angst das mein Kopf explodiert vor lauter Begeisterung.

Es war mit eines der wirklich geilsten und schönsten Dingen, die ich je gesehen habe. Es war so mächtig. Das Stück war enorm groß und ich war hin und weg. So ging es uns allen glaube ich!

Dann war es das auch schon wieder. Der Bus wartete schon. Für Außerirdische muss es glaube ich extrem witzig sein uns Menschlies dort zu beobachten. Langsam zurücklaufende, ja auch teils rückwärts laufende Menschen, die plötzlich wieder nach vorne zum Geländer rennen.
Schreckhaft haben wir uns umgedreht als es ein kleines Geräusch gegeben hat, schreckhaft als wollte der Gletscher uns ein Eiszapfen in den Rücken jagen.
Irgendwann waren wir dann im Bus. Sehr zufrieden!

Eine Stunde Fahrt und schon ging es weiter auf Proviant Suche. Tags zuvor haben wir einen Bus nach Bariloche (1800 Kilometer Entfernung) gebucht, der teils über Schotterpiste auf der antiken Routa 40 in den Norden fährt. Mein Traum!

Da der Abend der letzte Abend in Patagonien war, haben wir alle, zusammen mit den zwei Schweizern und den Lieben aus Sachen besprochen, dass wir schick patagonisches Lamm essen gehen.

Mehr als Worte beschreiben können. War gut! Aber das Lamm was ich in Tandil auf dem Campo von meinen „Gastgroßeltern“ gegessen hab war ein Tick zarter. Die anderen waren aber sichtlich begeistert. Ich kannte ja schon richtig gutes Lamm und das Argentinische Rumsteak.
Es war ein wirklich ausgesprochen schöner Abend

Nach dem Essen ging’s auf zum Hostel, um unser Gepäck abzuholen. Dort hat sich meine morgendliche Vermutung, auf diesmal tatsächlich reale Bettwanzenstiche bestätigt.
Sie begannen zu jucken.
Letztes mal Mail gecheckt, alle benachrichtigt, dass man jetzt 29 Stunden im Bus sitzt und dann saßen wir auch schon im Bus. Es ging um ein Uhr nachts los.

Busfart nach Bariloche und der „Gestank“

Kaum war der Bus in Bewegung, waren wir auch schon eingeschlafen. Wir saßen ganz hinten, neben der Tür zum Klo. Ein wie soll ich es ausdrücken, „ungeschickter“ Platz.
Nach drei Stunden nämlich war der erste Stop, und es stiegen Kanadier ein. Ein Pärchen setzte sich auf die Sitze vor uns. Im Halbschlaf kaum mitbekommen, aber dann geschah es.
Das weibliche Wesen des Paares vor uns, ging aufs Klo.

Ungewöhnlich lange für vier Uhr Nachts. Schlussendlich öffnete sich nicht die Klotür, sonder ein Tor zu einem Schwefelvulkan, der mächtig am brodeln war. Hätte ich von Blumen geträumt, wären sie in sekundenschnelle verwelkt gewesen. Was aus dem Vulkankrater herauskam, war nicht menschlicher Herkunft. Aus dem Halbschlaf ist gar kein Schlaf geworden.

Das war echt heftig. Nach diesem “Gewitter” haben wir mitbekommen, das sich alle Kanadier erstmals zwei Schlaftabletten reingedonnert haben. Uuuunnd schon waren sie auch im Koma.
Jetzt könnt ihr euch ja vorstellen, was passierte. Alle paar Minuten, entschlüpfte dem Wesen vor uns ein „Windchen“. Wir befanden uns im Krieg.
Wir und die hintere Bushälfte wurden nicht verschont. Sie war einfach innerlich verwest.

Das war eines der „Highlights“ der Busfahrt. Irgendwann konnten wir dann auch wieder durch die Nase atmen und hatten keinen säuerlichen Geschmack im Mund.

Morgens hatten unsere Sehorgane einiges zu tun. Der Sonnenaufgang und die Landschaft war einfach wunderschön.

Hier ein paar Bilder von der ganzen Fahrt und von den Stops:

Patagonien ist einfach wunder schön. Ich weiß eigentlich nicht warum es mich sooo faziniert. Wir haben 1800 Kilometer die „gleiche“ Landschaft gesehen. Nach und nach wurde es nur ein bisschen grüner. Im großen und ganzen haben wir nur unendlich Weite, gelbe Wiesen gesehen, unendliche Weiten, auf der rechten Seite fast das gleiche Schauspiel nur mit anschließender Sicht auf die schneebedeckten Anden.

Es ist einfach wunder wunder schön.

Von Seiten der Busfahrer gab es dann noch einen kleinen Patzer. Irgendwann gab es Abendessen, aber es blieben die letzten sieben Reisenden übrig, unter anderem auch Sebastian und ich.
Es haben sich glaube ich alle sieben Hungrigen zwei mal beschwert, so das der Busfahrer 14 mal wusste, das wir auch Hunger hatten.
Nach einem zwischen Stop in einem kleinen Städtchen, wurde dann nochmal gemeckert und als wir weiter gefahren sind, kam auf einmal der zweite Busfahrer mit unglaublich riesigen und richtig leckeren Sandwichs. Jetzt waren alle anderen im Bus auf unserer Essen neidisch. Einen Nachtisch haben wir dann auch noch bekommen, einen Trippel Dulce de Leche Alfajor. Sebastian war sichtlich begeistert. „Man die Sandwichs waren ja voll lecker!“

Am nächsten Morgen war dann auch schon Bariloche in Sicht.

Bariloche

Bewölkt war es als wir ankamen doch das lies uns nicht davon abhalten einen Spaziergang am riesigen See Nahuel Huapi zu machen. Man kann ja auch nicht alle Tage von sich behaupten, dass man mit 15 Kilo auf dem Rücken in Bariloche, das in Südamerika zu finden ist, das wiederum auf der anderen Seite des Atlantiks ist, spazieren gegangen ist.

An dem Ufer trafen wir auch gleich einen Freund

Wir haben vermutet das er Hunger leidet wie wir in dem Bus, denn er ist uns gut zwei Kilometer hinterher gefolgt, geflogen oder gewatschelt.
Dann begaben wir uns auf die Suche nach einem Hostel. In unserem Reiseführer stand, dass es ein einziges Hostel gibt, das direkt am Ufer liegt. Das haben wir gesucht.


Wir haben es gefunden, haben eingecheckt dannach Bariloche unsicher gemacht.

Im dem Reisebüchlein stand auch, dass es die argentinische Schweiz ist. Das hat auch seinen Grund, denn in den nächsten Tagen, was wir so gesehen haben, hat man öfters mal gedacht: „ Hey das ist doch die Schweiz.“ Die vielen, für Bariloche berühmten, Schokoladenläden haben auch mächtig dazu beigetragen.

Nach der ersten Erkundung und dem ersten Einkauf, den ersten Informationen über mögliche Wanderrouten und Trekkings machten wir es uns den Rest des Tages gemütlichen. Siesta und gutes Essen. Genial!

Endlich konnte ich mal wieder richtig viel Spanisch sprechen. Die Hostelbesitzerin war echt super lustig. Ich hab sie dann auch gleich gefragt, ob sie Bettwanzen hier im Hostel haben, denn es ist nicht wirklich lustig, von denen gestochen zu werden. Sie war super freundlich und hat gleich bei einer Apotheke angerufen um auszukundschaften, was man gegen den Juckreiz machen kann. Dann hat sie auch noch gesagt, dass man unsere Wäsche waschen muss. Das Theater kannte ich ja von Buenos Aires. Aber in Buenos Aires lief alles ein bisschen reibungsloser ab.

Ich sagte das ich die Wäsche, zu mindestens ein paar Sachen, morgens wieder brauchte weil wir auf Tour gehen wollten um endlich mal zu zelten. Alles kein Problem hatte sie gesagt und am nächsten Tag mussten wir auf den „uns zum Berg bringenden Bus“ rennen, weil sich meine Wäsche verspätet hat.
Die restlichen Sachen sollten dann am nächsten oder übernächsten Tag fertig sein. Wir ließen nämlich die meisten Sachen im Hostel, um unser Gepäck zu erleichtern.

Dann sind wir auf 1700 Meter ufi gewandert und sind richtig kaputt und erschöpft angekommen.

Zelt aufgeschlagen und Spagetti mit Tomatensoße gekocht. Sicher war, dass es eine sehr sehr kalte Nacht werden würde. Doch es war die Anstrengung wert. Dort wo wir waren, war ein Refugio aufgebaut. Dort konnte man teuer in einem Matrazenlager übernachten oder eben für umsonst Campen.

Eigentlich müsst ihr nur auf die Bilder schauen um zu wissen, wie schön es da war und was es für eine Stimmung war.

Morgens, nach der sicher kalten Nacht, haben wir erstmals ein bisschen Eis vom Zelt abgekratzt. Es war also noch kälter als befürchtet.

Doch Sebi und ich wir froren nicht, wir zitterten uns warm. Reisende kennen keinen Schmerz!!!


Es ging weiter nach dem die Sonne über den Berg schaute. Die Route, die wir dann bestiegen, war spektakulär. Es stand in dem Wanderplan, dass es ein „medium“ schwerer Weg ist. Das heißt ein mittelschwerer Weg. Wir hatten zwar keine Probleme, auch mit unserem Gepäck nicht, aber für „mittelschwer“??? Das war ein bisschen untertrieben.

Auf halber Strecke, knapp vor der 2500 Meter Grenze, haben wir uns von Christoph und Caroline verabschiedet. Sie gingen einen anderen Weg. Ich hatte ein ungutes Gefühl. Der Weg ging weiter in die Berge rein und man hat, wenn man einen Leistenbruch hat, den ja auch immer im „Hinterkopf“. Also sind wir wieder etwas in das bevölkerte Gebiet vorgedrungen. Was sich auch als gut erwies.
Das Wetter sah auch gar nicht einladend aus und meine Befürchtungen haben sich bestätigt. Am nächsten Tag lag Schnee und es hat geregnet.

Aber eben erst am nächsten Tag. Wir haben nach dem Abschied den wohl besten Blick über Bariloche und die Seenlandschaft gehabt. Wir waren auf dem Berg „el Catedral“.

Auf dem Gipfel wurden wir auch echt fast um geblasen. Aber es war ein toller Ausblick, und ein unbeschreibliches Gefühl da oben!
Dann ging es über das Skigebiet von Bariloche Berg abwärts. Spät nachmittags sind wir dann angekommen, völlig ausgehungert! Haben ja den ganzen Tag nichts gegessen!

Angekommen im Hostel, waren unsere (für dieses Trekking nicht benötigten) Klamotten dann immer noch nicht gewaschen. Das hatte zur Folge, dass die liebe Hostelbesitzerin ein ganz schlechtes Gewissen bekommen hat und sagte, dass wir das waschen nicht bezahlen müssen.

Für mich und Sebi ging es dann wieder los ans Routen planen. Was ist das nächste Ziel?

Es war Villa de Agostura!

Villa de Agostura und San Martin de los Andes.

Nach dem Aufstehen ging es dann auch schon gleich weiter.
Ich muss sagen, die „Routa de los siete lagos“ übersetzt: Die Straße der sieben Seen, ist eine der schönsten Strecken die ich jemals mit dem Bus gefahren bin. Es ging teils durch die Andenlandschaft mit vielen Seen und den roten und grünen Bäumen dazu wieder die gelben Grasbüschel. Es war einfach wundervoll.

In Villa de Agostura angekommen wurde wieder ein Hostel gesucht und am nächsten Tag ein bisschen die Stadt erkundet und der berühmte Strand. Villa de Agostura gilt als eine der schönsten Städte. Fand ich gar nicht, aber das lag daran, wie ich später raus gefunden hatte, das ein Vulkan in Chile alles veraschte. Deswegen war meine Sicht „verraucht“ ;)

Mittags ging es weiter zu „San Martin de los Andes“. Das liegt am Parque National Lanin. Wo der wohl schönste Vulkan der Welt zu finden ist. Wir wollten aber zu den heißen Thermalquellen die auch in dem Park waren.
An der Touristeninformation angekommen, war nur ein Schild aufzufinden, dass verlauten lies Informationen wären in der Parkverwaltung zu finden. Auf zur Parkverwaltung!
Begrüßt mit etwas skeptischen Blicken Seitens der Parkverwaltung wurde uns erzählt das es hier nichts zu sehen gibt. Die Saison ist vorbei, es fahren keine Busse und wir seien zu spät.

Die lang ersehnten Thermalquellen rückten in die eisige Ferne. Doch wir waren nicht alleine, ein Pärchen aus Dresden wollte auch was vom Nationalpark sehen. Wir schlossen uns zusammen und überlegten, was wir tun könnten.
Die Idee ein Auto zu mieten lag nicht fern und an der Ecke war auch schon eine Autovermietung zu sehen.
Ein Tag, 200 Freikilometer und für vier Personen recht billig. Wir konnten es auch sofort mitnehmen und sollten das Auto am nächsten Tag um sieben Uhr wieder unversehrt abgeben. Also auf gings zum Einkaufen. Ein neuer Topf musste her, den alten Topf hatten wir natürlich in Bariloche im Hostel liegen lassen.

Nach einer spektakulären Fahrt durch den Wald mit Sandweg, auf der Suche nach einem Campingplatz, haben wir irgendwann in der finsteren Finsternis im Wald unsere Zelte aufgebaut.
Noch kurz Spagetti mit Tomatensoße gekocht und diesesmal richtig gut, ohne zu frieren im Zelt geschlafen. Morgens war die Überraschung recht groß. Wir waren in einem echt schönen Waldstück.

Schnell zusammengepackt und auf ging es auf einer noch spektakuläreren Straße, zu den Thermalquellen. „Oh nein ich muss ein neues Auto kaufen“ ging mir zweimal durch den Kopf als der Matschboden das Auto von unten massiert hat. Der Rückweg sollte noch spannender sein, denn es fing an zu Regnen. Angekommen, wartet noch ein einstündiger Fußmarsch auf uns.

Und endlich, endlich sahen wir Wasserdampf. Wir waren sozusagen am Tor der heißen Quellen angelangt. Dort fanden wir ein Schild mit allen möglichen Anweißungen.
Man solle doch nur 15 Minuten Baden.
Man solle doch viel Wasser trinken.
Man solle doch was zum Essen dabei haben.
Man solle sich erst ausruhen, bevor man ein Bad nimmt.

Wir haben bewiesen, dass man drei Stunden, ohne Wasser und ohne Essen in den Thermalquellen sitzen und danach noch zurück laufen kann.

Es war sooo entspannend. Sämtliche Muskelverspannungen lösten sich auf und schwammen davon.
Vor allem war es auch echt richtig heiß.

Doch schon in der folgenden Nacht, begrüßten uns die Verspannungen auf ein Neues.
Für mich war es der schlechteste Nachmittag der gesamten Reise. Der erste richtige Tiefpunkt. Verfluchtes San Martin de los Andes. Wir kamen mit dem Mietauto zum Glück gut an und keine Schäden wurden bemängelt. Es war ein bisschen dreckig, aber sonst voll in Ordnung.

Da wir keinen Plan hatten, wie es weiter ging, haben wir überlegt was wir tun konnten. Die Welt lang uns doch zu Füßen!
Doch nicht in dieser Stadt. Die Busfahrzeiten sind eine totale Katastrophe und wir saßen mehr als vier Stunden am Internt und haben nach Busrouten, Preisen und Plänen gesucht. Der ursprüngliche Plan war ja, dass wir von San Martin de los Andes nach Chile gehen und dort den Süden bis hoch nach Santiago anschauen. Das Problem war nur, dass wir keine Infos über Chile hatten. Ein Reisebuch konnten wir auch nicht auftreiben und so gingen die Überlegungen los, was wir alles machen könnten. Gleich nach Mendoza hoch und dann nach Salta, zurück über Cordoba zuletzt dann Buenos Aires? Das wäre Teuer gewesen. Dann schauten wir wieviel ein Bus hoch in die Atacama Wüste kosten würde, aus Spaß. Das war eine Überraschung. Es war der gleiche Preis, wie wenn wir sofort zu meiner Gastfamilie gefahren wären, aber für die doppelte Distanz.

Also war die Sache gebongt. Wir sind ja ein bisschen verrückt. Für knapp 3000 Kilometer und zwei Tage im Bus haben wir 70 Euro gezahlt. Das war es auch definitiv Wert.
Doch erst mussten wir jetzt von zwölf Uhr Nachts bis morgens um sechs auf den Bus warten nach Chile. Wir wurden aus dem Terminal verscheucht und warteten draußen. Ein Hostel wollten wir uns für diese sechs Stunden nicht gönnen und man sagte uns, dass es am Terminal sicher sei und einen Aufpasser gibt.

Der Aufpasser hat dann auch gemütlich angefangen das Terminal zu säubern und ein bisschen zu kehren. Wir schauten zu und froren dolle. Da wir ja aber unser Camping Zeugs dabei hatten und immer eine Notfall-ich-tu-frieren-wärm-mich-auf-Suppe dabei hatten, ging es ans Wasser erhitzen.

Dann wurden wir von drei Betrunken nach Zigaretten gefragt, aber auch schon wieder in Ruhe gelassen. Der Aufräumer war dann fertig und hat uns dann freundlicherweiße ins warme Terminal gelassen. Nach einem interessanten Gespräch, wusste er was die Banco de Alimentos ist und was wir machen. Wir wussten dann, dass er für uns eine Ausnahme machte und er normalerweise keine Reisenden ins Terminal lässt.

Danach zeigte sich mein unheimliches Supertalent von Neuem. Während Sebi, die ganze Nacht auf war, konnte ich wie immer überall schlafen. Kurz vor sechs Uhr, bevor der Bus abfuhr, wussten wir schon gar nicht mehr was ein Thermalbad ist und dass wir vor kurzem eins genommen hatten.

Atacaaaaaammma Wüste!

Die Fahrt ging direkt an dem Vulkan Lanin vorbei…

… und gleich danach, nach dem wundervollen Sonnenaufgang, waren unsere Reisepässe einen Stempel schwerer.
In den zwei Tagen war ich ein bisschen von dem Landschaftsbild von Chile enttäuscht. Auf einem Zwischenstopp konnten wir uns mit Proviant versorgen und da war ein typischer chilenischer Markt. Leider habe wir versäumt Bilder zu machen.

Danach ging es weiter über die chilenische Hauptstadt Santiago de Chile und danach direkt nach San Pedro de Atacama. Von Santiago aus, waren es genau 24 Stunden in die Wüste. In diesen 24 Stunden, waren wir geplagt von Durst und Hunger, es gab nur ein Brötchen. Wir wussten nun, dass die argentinischen Busse eindeutig mit besserem Essen punkteten.

Bei der Rückfahrt wussten wir jedenfalls Bescheid.

Ich war ja schon soo aufgeregt. Die Atacamawüste! Da wollte ich ja schon immer hin! Wer denn nicht. Jedenfalls waren die letzten drei Stunden vor der Ankunft die 70 Euro Wert.
Ahh ich war ja so aufgeregt. Ich hab einfach noch nie so etwas gesehen. Ausgestiegen in der Wüste, trafen wir auch gleich auf Linda, eine außergewöhnlich lebensfrohe und bunte Persönlichkeit. San Pedro de Atacama ist eine Touristadt wie wahrscheinlich keine andere.

Alleine die Anzahl von 80 Hostels lässt ahnen, wie oft die Touriziele besucht werden, dementsprechend hoch waren die Preise. Wir waren darauf nicht vorbereitet.
Nach hin und her, wussten Sebi und Ich: den Touristress tun wir uns nicht an. Wir werden ein Auto bei Europcar mieten. Was richtig teuer war zu zweit. Linda wusste von diesem Plan, aber war in einem anderen Hostel, aber wir trafen sie während unserem Versuch, wildfremde Reisende davon zu überzeugen, mit uns mit zu fahren. Das Problem war aber, dass alle schon Touren gebucht hatten. So auch Linda, aber Linda war lässig, und sagte und zu.

Wir sind natürlich dann gleich wieder aus dem Hostel ausgecheckt, weil es gleich am Tag noch los gehen sollte. Wir hatten aber eine Dusche mehr als nötig. Es war aber noch nicht so schlimm, dass Blumen verwelkten. ;) Chilen, sind aber auch sehr sehr freundlich, so durften wir im Hostel in dem unsere weibliche Begleitung „noch“ untergebracht war duschen. Eine Wohltat für uns und die Umwelt.

Während wir in dem Hostel waren, schloss sich noch Eugen an, ein Reisender, der begeistert von unserer Idee war.
Also waren wir zu viert. Die Gemeinschaft des Autos.

Nach kurzem sortieren, einkaufen und festlegen, dass Sebi fährt, ging es los. Wir peilten eine Salzlagune an. Lago Cejar nannte sich, der mitten in der Salzwüste sich befindende, Salzsee.

Das Wasser war nur 30 Centimeter hoch, aber wir mussten gar nichts tun und berührten den Boden gar nicht. Wir schwebten auf dem Wasser.

Ein Salzwüste ist toll und die Fotografierlust war dementsprechend groß!

Danach wollten wir zu Thermalquellen, die auf dem Weg zu den berühmten Geysiren lagen. Es war schon Nacht und die Verwirrtheit in der Dunkelheit war sehr vorangeschritten. Nach zwei Stunden Fahrt auf unbekannter Straße und Müdigkeit beschlossen wir, dass wir kochen und dann die Nacht im Auto verbringen. Puhh ihr könnt euch gar nicht vorstellen wie kalt es war. Die Geysiren liegen auf ca 4000 Meter über dem Meeresspiegel. Die zwei Stunden die wir gefahren sind, sind wir nur Berg aufgefahren und waren weit über 4000 Metern, denn am nächsten Morgen sind wir nur Berg abgefahren und waren dann bei den Geysiren.

Die Nacht war eigentlich keine Nacht, wir froren nur und wurschtelten herum, wie wir uns hinlegen konnten. Dann bildete sich nach drei Stunden langsam eine Eisschicht an den Fenstern. Wohlgemerkt von Innen.

Morgens waren die fünf Liter Wasserbehälter zur Hälfte gefroren und die Bananen haben diesen „Frost“ auch nicht überstanden. Nicht mal mehr zum schlotzen eigneten sie sich.

Ausgeruht ;) sind wir dann um halb fünf Morgens die restlichen 40 Kilometer zu den Wasser spuckenden Löchern gefahren.

Waren dann recht früh da und haben auf das erste Licht gewartet.

Wir warteten drei Stunden, bis die Sonne über den Berg reichte

Danach ging es zurück nach San Pedro de Atacama um dort das nächste Essen einzukaufen (bei der Rückfahrt gab es Nudeln mit Tomatensoße, aber dieses mal waren sie süß).

Wir waren sehr fasziniert davon, was wir in der Nacht nicht gesehen haben

Auf dem Weg zurück, sahen wir dann Mitten im Feld ein Auto feststecken. Nach einem kurzen Fußmarsch waren wir beeindruckt, wie tief man feststecken kann!

Nach dem Tanken ging es dann weiter auf der Suche nach Flamingos auf der Routa, die direkt nach Argentinien führt. Wären wir auch über die Grenze gefahren, hätten wir nochmal Bilder von der Salzwüste machen können in der ich schon den Ausflug von Salta aus gemacht habe. So schließt sich der Kreis.

Es gibt nicht viel zu sagen. Aber mit Abstand war es das Schönste was ich jemals gesehen habe.
Mein persönliches Highlight auf der Reise. Natur formvollendet.

Dann war da ein See, der war ganz schwarz. Sah unheimlich tief aus und ich dachte da müssten wir hin. Sebi konnte Gedankenlesen oder so, denn schon standen wir am Ufer. Aber es war einfach nur schwarzer Sand. Das Wasser war nur 20 Zentimeter tief und so waren die Schuhe von Linda und mir schnell aus. Mitten in einem See auf 4500 Metern Höhe. Ein unbeschreibliches Gefühl.

Wir watschelten so lange in dem kalten Wasser , bis wir unsere Füße nicht mehr spürten.
Danach machten wir uns auf den Rückweg.

Um halb zehn abends wurden wir mit einem Bus abgeholt und zu einer Sternenwarte gebracht.
Der kanadische Führer versuche zwanghaft lustig zu sein, manchmal haes geklappt manchmal nicht. Aber erklären konnte er richtig gut. Er hatte einen grünen Laserpointer, um auf die Sterne zu zeigen. Ich war überrascht wie gut das klappte. Dann hat er uns die neun Teleskope gezeigt.

Wir konnten Gaswolken sehen, Saturn und Mars und andere Sternbilder.

Abschließend gab es eine heiße Schokolade. Einer der schönsten Reisetage für mich ging zu Ende.
Nach dem Besuch der Sternenwarte verabschiedeten wir uns von Eugen. Er zog weiter nach Bolivien. Ein „kurzer“ Bilderaustausch von unseren gemeinsamen Stunden folgte und wir waren Einer weniger.
Wir übernachteten weit außerhalb von San Pedro de Atacama und froren diese Nacht nicht. Lag bestimmt auch ein bisschen an dem leckeren chilenischen Wein!

Wieder einmal hatten wir morgens eine Überraschung, als wir aufwachten.

Einen tollen Sonnenaufgang in der Wüste. Dann ging es auch schon weiter. Wir wollten eine große Rundfahrt fahren aber mussten erst aus der Salzwüste raus und die Straße finden. Nach vielen Stunden Fahrt, war die Straße auf einmal keine Straße mehr. Wir haben irgendeine Abzweigung verpasst.

Erst mal ein Müsli zum verdauen. War ja auch recht schön hier und Lamas gab es auch zum anschauen. Als wir auf die Uhr schauten, beschlossen wir zurück zu fahren, den wir wollten nicht noch eine „extra Prämie“ wegen Verspätung zahlen. Dieser Rundkurs war zu lange, wir machten uns auf, um Flamingos zu sehen.

Es war toll. Wir kochten und genossen die Ruhe. Wir waren von den zwei Tagen recht angeschlagen. Die Müdigkeit kroch langsam ans hoch und ein Bad wäre auch mal wieder angebracht gewesen.

Das letzte mal getankt und wir haben das Auto abgegeben. Wir hatten auch richtig Glück, denn es befand sich eine „Dusche“ in der Toilette von Europcar.
Das Duschen hat alles länger gebraucht als geplant und wir bekamen ein bisschen Zeitdruck. Der Bus zurück nach Santiago und für Linda nach La Serona fuhr um 19 Uhr ab. Wir wussten ja, dass es kein Essen im Bus gibt, also wollten wir noch kurz einen Happen essen gehen.

Mit viel Stress und sogar noch mit Proviant für die Busfahrt saßen wir mit gefüllten Mägen auf dem Weg in die Hauptstadt. Die Atacama Wüste hat uns mit einem spektakulären Sonnenabschiedsuntergang verabschiedet.


Santiago und Mendoza

Wir befanden uns wieder 24 Stunden im Bus. Wir waren auch wirklich richtig müde, denn wir haben von zehn Uhr abends bis morgens alle drei durchgeschlafen. Wohlgemerkt im Bus.

Früh nachmittags sind wir in La Serona angekommen und es hieß Abschied nehmen von Linda. Wir hatten uns echt super gut verstanden und waren auf der total gleichen Wellenlänge. Ein Dank an Linda, die die Tage mit ihrem weiblichen Charme versüßt hat.
Aber die Kontaktdaten waren ja ausgetauscht und so blieb es tränenlos. ;)

Weitere lange Stunden warteten auf Sebi und mich, aber nach ein paar Nickerchen waren wir um sechs Uhr am Hauptterminal in Santiago. Der Bus zur Weiterreise nach Mendoza war auch schnell gebucht und es blieben noch fünf Stunden übrig, die wir im Zentrum von Santiago verbrachten.

Ich war super erstaunt. Es hat mich total an Berlin erinnert. Alles super modern und sauber und ordentlich. Aber der Eindruck täuschte, wir sind ein gutes Stück gelaufen und waren irgendwann mal nicht mehr im Zentrum. Dann öffnete sich das altbekannte Gesicht. Viel viel Müll und viele nach Münzen fragende Leute.

Dann wurde es auch schon dunkel und wir suchten was zu Essen. Sebi wollte unbedingt in einen McDonals, weil es ja andere Sachen gibt als in Europa. Gut gespeist saßen wir dann auch schon im Bus, auf dem Weg nach Mendoza.

Ich hatte Sebi erzählt, dass es in Mendoza immer warm ist und nur ganz ganz selten kalt oder bewölkt ist und wenn es regnet, dass das eines der „Wunder“ in Mendoza ist.
Wir kamen an, es regente und war bewölkt und kalt. Wirklich sehr gut gemacht Mendoza. Vier Tage durfte Sebi Mendoza so kennen lernen und erst am letzten Tag, auf der Fahrt zum Bus nach Buenos Aires,von wo Sebis Flug fliegen sollte, schien die Sonne.

Während den vier Tagen machten wir die Touren, die ich in meinen zwei Ferienwochen im Januar gemacht hatte. Es war eher ein Reinfall, wegen des Wetters. Sebi hatte echt richtig richtig Pech. Meine Gastmutter sagte immer, dass er unbedingt wieder kommen muss, um Mendoza richtig kennen zu lernen. Recht hat sie!

Ja und das war unsere große Argentinien Reise. Ich bedanke mich bei Sebi, dass er mich ausgehalten hat. Wir hatten wirklich eine sehr sehr lustige Zeit.
Es wird wohl noch ein bisschen Zeit vergehen, bis ich realisieren kann, dass ich nun den Süden Argentiniens recht gut kenne. Aber diese unglaublich vielen Eindrücke muss man erst einmal verarbeiten und setzten lassen.

Aber auch einen Dank an alle die mir das hier ermöglichen. Ich kann es nicht oft genug sagen.
In zwei Monaten und drei Wochen bin ich schon wieder in Deutschland und bin gespannt, ob mich der Schlag trifft wenn ich wieder komme. Was ich bis jetzt sagen kann: Die Gefühle sind gemischt, ich freue mich unglaublich Heim zu kommen, meine Lieben zu sehen, endlich wieder mit meiner Band Musik zu machen und in den Mindelsee zu springen. Jedoch, werde ich wohl Argentinien nicht so schnell wieder sehen. Das heißt, dieses mal nehme ich von Menschen, die mir unglaublich ans Herz gewachsen sind, nicht nur für ein Jahr Abschied, sondern vielleicht für drei, vier oder mehr Jahre.

Klar ist, die letzte Zeit werde ich noch gut verbringen und geniesen.
So dann, liebste Grüße von einem mit Eindrücken vollgepumpten Manuel.

Extrablatt Extrablatt!

6 Apr

Hey meine Lieben,

mein Reisegefährte Sebastian blogt unsere Reise unter seinem Blog: nightapesworld.wordpress.com

Meinen Eintrag gibt es im Mai über die ganze Reise.

Liebe Grüße,
Manuel und Sebastian

Weinfest ohne Wein!

29 Mär

Viva Argentina! Viva Mendoza! Viva el Vino!

Das sind die wohl meist benutzen Wörter der Vedimia in Mendoza. Die Vendimia, ist das alljährliche Weinfest in Mendoza. Ein Fest bei dem Mendoza durchdreht!

Im Dezember beginnen die Wahlen der Weinkönigen in den Bezirken von Mendoza. Dort wird eine Königin gewählt, die den jeweiligen Bezirk vertritt. Früher waren es tatsächlich noch Mädels die auch echt was mit dem Wein zu tun haben. Heute gleicht es eher einem Schönheitswettbewerb.
Im März wird dann die letzte Königin in der Stadt gewählt. In den darauffolgenden zwei Wochen ist dann das große Fest der Vendimia. Eigentlich nur an einem Wochenende und das sieht folgendermaßen aus:

Freitags gibt es die „via blanca“, ja wie soll man das den beschreiben? Also jede der Bezirksköniginnen hat ihren eigenen Lastwagen, auf dem sie sich präsentiert und die wichtigsten Straßen abfährt. Dabei wirft sie mit Weintrauben, Süßigkeiten und anderen manchmal Bezirks typischen Spezialitäten um sich. Mit einer Hand winkt sie den Unmengen von Menschen zu. Es sind wirklich so viele, Kilometer lang. Ich war noch nie in so einer Menschen Menge unterwegs.
Es ist eine verrückte Angelegenheit, zumindest war sie das für mich! Es wurden Fangkörbe gebaut um mehr Zeugs abzustauben,es wurde gejubelt und geklatscht und und und.


Danach war ein großes Konzert auf der Plaza Indepencia mit abschließendem Feuerwerk.

Und am nächsten Morgen ging es mit dem „Carusel“ weiter. Um zehn Uhr morgens haben wir uns wieder im Zentrum getroffen und weiter „geschmunzelt“. Es war einfach super lustig.
Angefangen hat es mit einer Protestveranstaltung gegen eine große Mine irgendwo in Mendoza. Ein Umzug, mit 7000 Protestierenden. Aber ich sag euch was. Protestieren können die Argentinier und wie kreativ, mit Schildern, die die absurdesten Auswirkungen des möglichen Aufbaus einer Großmine schildern.

Danach, waren wir gespannt was wohl kommen wird. Aber wir wurden ein bisschen enttäuscht. Es war das gleiche wie am Abend zuvor. Nochmal eine Kolonne der sich präsentierenden Königen.


Am Abend und an den nächsten zwei Tagen sollte das große Fest der Vendimia sein, wo auch die Weinkönigin gewählt werden sollten.
Aber und das sorgt immer für großes Meutern in Mendoza, es gab keine Karten zu kaufen.
Karten für dieses Fest werden in Europa verkauft und über all in allen andren Ländern, sowie in anderen argentinischen Städten, aber nicht in Mendoza. Warum? – Tourismus.
So ist es jedes mal ein Kampf für die Leute in Mendoza an Karten zu kommen. Ein bisschen kurios, weil es ja das Fest der Stadt ist , bzw der Provinz Mendoza . Das verärgert die ganze Stadt und sorgt für Unmut, sodass viele Mendozianer die „Fiesta de Vendimia“ skeptische sehen.
Um das Fest trotzdem zu sehen gab es nur eine Chance. Mit demFernglas auf einen Berg zu gehen mit vielen vielen vielen … anderen Personen.
Das haben wir uns aber nicht angetan.

Dann war das Fest vorbei.
Ich hatte das Gefühl, das schon nach zwei Tagen alles wieder vergessen war. Hier und da ein paar Gespräche: „Und wie findest du die Weinkönigin hübsch?“ aber sonst war alles schnell wieder vergessen.

Während den zwei Wochen der Vendimia, gab es viel in der Banco zu tun. Denn es wird speziell an diesem Fest, stark für die Banco de Alimentos geworben. Da mit jedem Jahr mehr und mehr Leute über die Banco Bescheid wissen, werden mehr und mehr Alimentos zu den Veranstaltungen mitgebracht. Fast alle Events die sich um die Vendimina drehen sind kostenlos, aber es wird ein Pack Milchpulver als Eintritt verlangt. Viele Mendozianer wissen das und bringen aber auch fleißig Nudeln und Reis mit. Deswegen gibt es viel zu klassifizieren. So blieb kaum Zeit übrig, Lebensmittel an die Commedore zu verteilen und muss nachgeholt werden.

Wir haben im Moment ca 100 Tonnen Lebensmittel in der Banco, das ist wirklich unglaublich viel aber ja nicht schlecht!
Arbeit!Arbeit! Ist das Motto der nächsten zwei Wochen, damit so viel Arbeit wir möglich weggeschafft wird. Denn:

Ich bekomme tatsächlich den ganzen April frei.
Unnnnnnd Sebastian mein Nachbar hat sich darauf hin für sage und schreibe 3 Cent pro Kilometer einen Flug hierher gekauft.
Ab den 4ten April machen wir den Süden Argentiniens unsicher!! Wir werden natürlich unglaublich viele Bilder schießen und nach der Reise werde ich einen ausführlichen Beitrag zu unserer Reise schreiben.

Eine Sache muss ich noch „erwähnen“!
Meine Gastfamilie ist einfach super. Wir haben einen Ausflug in die Berge an eine Lagune, kurz hinter der Chilenischen Grenze, gemacht. Zuvor haben wir Kanus gemietet und aufs Auto aufgeladen.
Der ursprüngliche Plan war, dass wir gegen Nachmittag die Lagune überqueren und dann alle unterm Himmel schlafen. Angekommen sind wir bei Nebel und Regen, so haben wir erst am nächsten Morgen die Lagune mit den Kanus überquert.
In der echt kalten Nacht hat sich das Wetter aufgeklart und ein Vollmond mit einer unglaublichen Scheinkraft hat erstmals für Verwirrung gesorgt! Woher kommt den das ganze Licht?!
Nach der kleinen Verwirrung bin ich dann aber unter einem sagenhaften Sternenhimmel eingeschlafen.
Aufgewacht mit Sonnenschein und blauen Himmel und eine Sagenhaften Blick auf die Lagune

Morgens war es aber so kalt, dass ich alle meine Klamotten die ich dabei hatte angezogen habe. Zwanzig Minuten später kam dann die Sonne über den Berggipfel. Alles wieder ausgezogen und Badehose an.
Auf ins Kanu.


Das Wasser war einfach ein Traum. Ein so tiefes und tolles blau. Es ist ein tolles Gefühl in den Anden auf einer so schönen Lagune zu paddeln. Als wir dann auf der anderen Seite ankamen haben wir noch eine kleine Trekkingtour gemacht.
Beim zurück paddeln kam dann ein richtig starker Wind auf. Ich hatte echt Spaß bei den Wellen.
Meine Familie hat mir wieder einmal ein tolles Wochenende ermöglicht. Sie sind einfach toll und vor allem so abenteuerlustig.

Beim nächsten Eintrag (der höchstwahrscheinlich erst Mai kommt) gibt es spektakuläre Bild von unserer Reise zu sehen.

Ich wünsch euch das Beste!
Liebe grüße Manu

Argentinisch? … Argentinisch!

9 Mär

So nach einer längeren Blog-freien Zeit, erzähle ich euch etwas über das Zwischenseminar, meinen anschließenden Aufenthalt auf einem (diesmal echten) argentinischen Campo und meiner Reise in den Norden von Argentinien, in die Stadt Salta.

Nach meinen 2 Wochen Urlaub, ging es erstmals wieder voll in den Alltag. Zwar nur eine Woche, aber diese Woche war anstrengend. Über die zwei Wochen, hat sich so einiges an Arbeit aufgestaut, denn nur die Banco war geschlossen, die Supermärkte nicht. Also hatte ich erstmals genügend zu klassifizieren, zu aktualisieren und und und.
Zum Glück nur eine Woche, denn am Freitag den 20 Januar fuhr ich über Nacht nach Buenos Aires zum Zwischenseminar. Gut ausgeruht kam ich dann am Samstag morgen in Buenos Aires an. Anschließend fuhr ich zum Hotel, wo ich und die anderen Freiwilligen untergebracht waren. Aus irgendeinem Grund haben die Leute aus der Oficina den Tag verplant und erst einen Tag später im Hotel angekündigt. Aber nach argentinischer Weise wurde dann auch dieses Problem gelöst. Erst ging es natürlich nicht, dann aber hatten doch alle anderen deutschen Freiwilligen Platz im Hotel. ;)

Da uns der ganze Samstag zur Verfügung stand, wurden die restlichen Plätze, die ich in der ersten Woche meines Argentinienaufenthaltes nicht besucht habe aufgesucht und inspiziert. Nach dem Vorbereitungsseminar und dem Zwischenseminar, kann ich mit gutem Gewissen sagen, das ich von Buenos Aires einiges gesehen habe.

Viel Neues kann ich nicht erzählen über Buenos Aires, meine Eindrücke von der ersten Woche wurden bestätigt und ich finde die Stadt auch immer noch abartig groß.
Sitz man eine dreiviertel Stunde in der U-Bahn, denkt man vielleicht, dass langsam die Außenbezirke heranrücken sollten. Aber das ist vollkommen falsch. Wenn ich an Buenos Aires denke, denke ich an „Schön Groß!“ Sowohl sehr schön, als auch sehr groß.

Als ich die Ankündigung vom Zwischenseminar und die mitgeschickte „Day by Day“- Tagesordung erhalten habe, habe ich zuerst gedacht: Puhhh das wird ziemlich langweilig, das hatten wir doch alles schon. Außerdem weiß ich doch alles, was die anderen in ihren Projekten machen.

Aber es kam wirklich total anders, man weiß nie alles und es war auch total lustig. War auch mal wieder toll, eine Woche intensiv Deutsch zu sprechen. Natürlich nicht nur Deutsch, aber hauptsächlich. So gingen die fünf Tag in der argentinischen Hauptstadt schnell vorbei und ich machte mich auf den Weg nach Tandil.

Wenn ihr auf die Karte schaut, dann seht ihr das Tandil genau unterhalb von Buenos Aires liegt. In Tandil, wie auch in der ganzen Provinz von Buenos Aires, gibt es die besten Kühe. Hier ist das Land flach. Wirklich flach.
Das könnt ihr euch nicht vorstellen. Gefühlte 500 km in jede Himmelsrichtung gibt es keine Hügel. Das „Problem“ ist, dass es auch genau so ist. Deswegen haben es die Kühe auch nicht schwer zu laufen und das Fleisch bleibt schön zart. Aber dazu später mehr.

Mittwoch Mitternacht kam ich in Tandil an und wurde von meinen Gasteltern empfangen und auf den Campo gebracht. 50 Kilometer südlich von Tandil. Dort angekommen, war ich tief beeindruckt von der Milchstraße am Sternenhimmel. Ich habe in den darauffolgenden Tagen versucht die unglaublich hervorstechende Milchstraße auf Bildern festzuhalten. Aber keine Kamera auf der Welt kann diesen Sternenhimmel einfangen. Es war wirklich überwältigend, als ich aus dem Auto ausgestiegen bin. Alleine wegen diesem Sternenhimmel sollte man einen Flug hier her wagen. Aber das ist nur ein Schmankerl nebenbei.
In der darauffolgenden Woche, sollte sich herausstellen, dass ich nun im wahren Argentinien gelandet bin. Und so sieht das typische Argentinien aus.

Um euch auf die Sprünge zu helfen: Weite Wiesen, Kühe, Windräder, die Wasser aus dem Boden pumpen, blauer Himmel und natürlich die typischen Rinderzusammentreiber auf ihren Pferden.

Habt ihr ein Bild im Kopf?
Ok da war ich!

Als meine Gastmutter von dem Campo ihrer Eltern erzählt hat, hatte ich gleich die Bilder von meinem Estanzia Besuch in La Falda im Kopf, mit ein paar Kühen halt.

Nach sieben Stunden Schlaf wurde ich um acht Uhr morgens geweckt. Schon war ich im Campo Alltag mittendrin. Frühstücken und dann ab aufs Pferd. So ging das vier Tage, aber am dritten Tag musste ich aussetzen. Es ist wirklich unglaublich, was man für einen Muskelkater vom Reiten und vom Galoppieren bekommen kann! Durch diverse Gespräche mit dem Vater meiner Gastmutter, habe ich natürlich mehr über das Leben auf dem Campo erfahren. So stellte sich heraus, das deren Campo mit den fast 1000 Rindern ein kleiner Campo ist, das Rinder beim Grasfressen wählerischer sind, als Menschen bei ihrem Futter, und noch so andere interessante Dinge. Es gibt tatsächlich verschiedene Grassorten, damit die Kühe auch eine ausgewogene Ernährung haben. Ist das vielleicht das argentinische Geheimrezept?

Ich hab natürlich alles in Bildern Festgehalten.
Ich muss euch aber warnen, ich bin total zum Argentinier mutiert! ;)

Aber das war noch nicht alles. So unbeschreiblich, wie die unglaubliche Reinheit der Luft, des Windes, der unglaublichen Weite des Landes und dem unglaublichen Gefühl auf einem prächtigen Pferd zu galoppieren, war das Asado das wir gemacht haben.
Zu meiner „Enttäuschung“ habe ich in den Tagen kein Rinderfleisch gegessen sondern „nur“ Lamm.

Ich war ja mal wieder total begeistert von dem Geschmackserlebnis, des „normalen“ Essens und des Fleisches. Aber dann! DANN haben wir ein Asado am Kreuz gemacht.

Es war unbeschreiblich! Sechs Stunden, wurde das Fleisch langsam gegart, aber geniest die Bilder so wie ich dieses Asado genossen habe.

 

Als dann um neun Uhr endlich das Fleisch fertig war, konnte ich es kaum erfassen.

Es war wirklich, und das könnt ihr euch nicht vorstellen, ein Geschmackserlebnis! Ich habe in meinen 22 Jahren noch nie so etwas geschmeckt. Ich hab gedacht, alles Fleisch, was ich zuvor gegessen habe, war Gammelfleisch.

Das war ein Regenbogen in meinem Mund! Anders kann ich das nicht beschreiben. Die Gewalt einer nuklearen Kernfusion. Ein vergleichbarer Moment als Einstein die Relativitätstheorie E=mc2 entdeckt hat! Es war einfach unfassbar. Ich kann allen Ernstes sagen, dieser Moment, hat mein Leben verändert!

Nach gefühlten fünf Kilo Fleisch in meinem Bauch konnte ich nichts anderes machen, als schlafen und dieses Erlebnis in meinen nun erfüllten Fleischträumen zu verarbeiten.

Nach diesen Tagen auf dem Campo, kann ich sagen, dass ich im typischen Argentinien war. Wer das nicht erlebt hat,war nicht in DEM Argentinien. Es war wirklich so, wie in meinen Vorstellungen. Aber es waren und sind, Tage die ich niemals wieder vergessen werden. Ich bin unglaublich glücklich, dass ich das erleben durfte. Eigentlich habe ich Angst, dass mir das Fleisch in Deutschland nicht mehr schmecken wird.

Aber jetzt gibt es noch ein paar Bilder die ich geschossen habe, währende meiner Zeit hier.

 

Und dann ging auch schon der Arbeitsalltag in der Banco weiter.

Mittlerweile weiß ich sicher, dass ich mich in Argentinien nicht operieren lassen werde. Auch wenn ich dadurch ziemlich eingeschränkt bin. So ist es schon sicher, dass ich in meinen großen Ferien nicht alleine reisen darf. (Aber da gibt es einen anderen Mögginger, der mit mir reist)

Daher ist es immer ein Thema, wenn ich alleine auf Tour gehen will. So auch, als ich nach Salta, in den Norden von Argentinien, wollte. Ich musste mich mit den Leuten aus der Oficina auseinandersetzen, bis endlich klar war, dass ich fahren darf. So war es bis drei Stunden vor Busabfahrt (Bus war natürlich schon gebucht) nicht sicher ob ich die Erlaubnis zum Reisen bekomme oder nicht. Nach langen Diskussionen durfte ich gehen und mich haben in Salta vier tolle Tage erwartet.

Das lange Wochenende hatte ich dem Karneval zu verdanken.

Man glaubt es kaum, aber der Bus nach Salta hatte Verspätung und das meine lieben Leser und Leserinnen, ist wirklich sehr untypisch. So fingen die geplanten Tage in Salta schon lustig an.

Eine Reihe meiner Mitfahrer haben „Panik“ bekommen, und ich wurde auch nervös. Denn es fahren nicht oft am späten Freitagabend Busse in das über 1000 Kilometer entfernte Salta.

Nach einem : „Where are you from?“ –„I’m from switzerland“ und einem „ Ah dann können wir ja deutsch reden“ hab ich Roger aus Zürich kennengelernt. Wir haben uns zusammen getan und gemeinsam den Bus gesucht. Nach unglaublichen eineinhalb Stunden warten, saßen wir im Bus. Und so hat es begonnen.

In diesen vier Tagen, hab ich zwei außergewöhnliche Persönlichkeiten kennengelernt, die ich hoffentlich wieder sehen werde. Vielen Dank an Roger und Katja, die mir diese eh schon unvergesslichen Tage noch unvergesslicher gemacht haben. Am Samstag wurde dann die Stadt Salta angeschaut und ausgekundschaftet, und am Sonntag die erste Tour gemacht.

Es ging zu dem Berg der 7 Farben. Das war wirklich spektakulär. Da fährt man ein gutes Stück und dann, sieht man einige Berge, in unbeschreiblichen Farben.

Leider ist das Wetter nicht so gut gewesen, deswegen sieht man es nicht allzugut, aber meine Kamera hat eine tolle Funktion:

Es waren echt kräftige Farben und wirklich unbeschreiblich. Es wurde aber noch besser. Wir sind auf 4170 Meter hoch gefahren, dann wieder ein kleines Stück den Berg runter und waren dann in einer Salzwüste.

Dadurch, dass es in der Nacht geregnet hatte, war eine Wasserschicht auf der Salzwüste und darin hat sich alles gespiegelt.

 

Für mich sind solche Ausblicke kleine Wunder, es war eine Stille um mich herum. Einfach sehr schön, wieder einmal fehlen mir die Wörter.

Weiter Bilder von diesem Tag:

Aufgrund einer Nacht mit vielen guten Gesprächen, kam das Schlafen zu kurz. Ich dachte, dass ich die ganze Tour am folgenden Tag verschlafen werde. Aber dem war natürlich nicht so, ich hing nur am Fenster vom Auto.

Eine unglaubliche Landschaft, die sich alle 2 Minuten komplett verändert hat.

Wie ihr sehen könnt, ist Salta eine unglaublich grüne Stadt, bzw Provinz. Im Winter, wenn es nicht so viel regnet ist es nicht ganz so grün, aber in der Regenzeit, also jetzt im Sommer, ist es einfach nur alles grün. Ganzschön verrückt, wie mir das Grün gefehlt hat. Und deswegen hab ich mich auch total in die Stadt verliebt. Ich möchte auf jeden Fall noch einmal nach Salta zurückkommen, um noch den letzten Winkel der Provinz und des Nordens zu erkunden.

Es waren mal wieder ein paar wunderschöne Wochen, und so musste ich auch schon den Halbjahres- Bericht schreiben.

Den will ich euch natürlich nicht vorenthalten.

Meinen zweiten Bericht zu beginnen, fällt mir mindestens genau so schwer wie meinen ersten.
Im Prinzip stehe ich jetzt an der gleichen Stelle, wie am Anfang. Ein bisschen verdreht, aber darüber lässt sich hinweg schauen. Ich habe weitere drei Monate hinter mir und auch das Zwischenseminar liegt jetzt eine Woche zurück.

Auf der Fahrt zum Zwischenseminar wurde mir bewusst, dass ich jetzt Halbzeit habe. Das war faszinierend und beängstigend zugleich. Beängstigend, weil die Zeit so schnell herumgegangen ist und faszinierend weil man merkt wie man sich komplett angepasst hat. Ich erinnere mich noch gut an die erste Woche, alles war neu, verrückt, unüberschaubar, teilweise zu viel und die Sprachkenntnisse waren nicht vorhanden. Ein halbes Jahr später, fragt man nach dem Weg, bestellt Essen, checkt in das Hotel ein, alles „selbstverständlich“. Aber das ist es für mich nicht. In Argentinien ist für mich nichts „selbstverständlich“. Es ist nicht selbstverständlich, dass ich ein Jahr diese Erfahrung machen kann, es ist nicht selbstverständlich, dass ich in einer guten Familie lebe, es ist…. Ich könnte viele solche Dinge schreiben. Das macht mich vor allem dankbar, wie so oft.
Aus diesem Grund bin ich fasziniert, wie ich mich angepasst habe, wie ich mich entwickelt habe.
Ein kleines Beispiel:

„(…)weil es vor dem Abflug einfach sehr unfassbar erscheint, dass man ein Jahr seine Heimat verlässt.“

Das ist ein Satz aus meinem ersten Bericht. Jetzt formuliere ich ihn um:

Da es mir unfassbar vorkommt, das ich dieses Jahr schon wieder zurück fliege.

Wenn ich nach einem halben Jahr der Anpassung, der Entwicklung, zurückschaue kann ich viel erzählen. Einen Teil habe ich in dem ersten Bericht wiedergegeben.
Und nun der zweite Teil gleich aufgebaut, wie der erste:
Persönliches, Familiäres und Arbeit.

Ein bisschen habe ich schon über meine persönlichen Gedanken geschrieben, über einige Veränderungen.
Aber die wohl auffälligste Entwicklung fand in meinem Sprachzentrum statt.
Mittlerweile kann ich mich „sehr gut“ unterhalten. Ich kann flüssig reden, aber mit noch vielen Fehlern, und noch immer fehlen viele Wörter, sowohl im Allgemeingebrauch als auch in Fachbereichen. So habe ich im Januar einen Sprachkurs begonnen, um diesen Grundbaustein zu festigen, und zu formen, sprich zu korrigieren und zu verbessern. Ich habe anfänglich immer gesagt es ist unvorstellbar das ich die Sprache am Ende des Jahres gut sprechen kann, aber heute bin ich stolz, was ich schon alles gelernt habe. Die Vorstellung dass ich die spanische Sprache am Tag meines Rückflugs beherrsche, rückt immer näher.
Des Weiteren habe ich mich immer mehr angepasst. Der Leitspruch meiner Organisation „Be quick to observ, but slow to juge“ ist wirklich allgegenwärtig.
Nach den drei Monaten war mir das schon bewusst, aber nach einem halben Jahr ist das noch viel ausgeprägter.

Auch möchte ich noch über meine Liebsten in Deutschland reden. Das „vermissen“ ist nicht mehr so akut wie es anfänglich war, aber mit jedem Tag der verstreicht, wächst die Sehnsucht nach Hause zu kommen. Natürlich nur im guten Sinn.

Der weniger tolle Aspekt, wenn ich an meine Heimkehr denke, ist das verlassen meiner Familie in Argentinien. Ich muss einfach sagen, dass ich mit meiner Familie in Argentinien richtig Glück habe. Es ist die tollste Familie in Mendoza. Im Prinzip gibt es nicht allzu viel zu erzählen. Es einwickelt sich einfach ein Verhältnis, das auf gewisse Art und Weiße besonders ist. Ich bin wie ein dritter Sohn, ich muss Rasen mähen und mein Bett machen, doch bin ich eben auch noch der „Chico de Alemania“.
Mit meinen zwei Gastbrüdern spaße ich herum und allgemein mache ich sehr viele mit meiner Familie.
So ist es für mich auch eher unbedeutend das ich hier noch fast keine Bekanntschaften in meinem Alter gemacht habe.
Mir kommt es so vor, das es in Argentinien die Freundschaft, wie ich sie kenne und mit meinen Freunden in Deutschland habe, hier nicht gibt. Man trifft sich selbstverständlich, aber ein festes Band, wie ich es kenne, entwickelt sich nicht. Ich glaube das liegt in der Familie. Familie hat in Argentinien die höchste Priorität. Vielleicht ist das der Grund, das ich den Eindruck habe, dass es keine „engen Freundschaften“ gibt. Vielleicht brauchen sie deshalb keine engen Freundschaften.

Im letzten Teil komme ich auf die Arbeit in der „Banco de Alimentos“ zu sprechen.
Im November hatten wir eine große Sammelaktion. Die „Colecta“ genannt. Das war stressig und einen Samstag musste ich elf Stunden durcharbeiten. Aber auch das trägt zu einem größeren Erfahrungsschatz bei und war sehr toll. Insgesamt haben wir 12 Tonnen Lebensmittel gesammelt, von denen heute, Anfang Januar, kaum noch welche übrig sind. Ansonsten war die Arbeit gleich bis genau zum 15. Dezember, meinem Geburtstag und dem Arztbesuch. Da sich ein ungutes Gefühl im Leistenbereich bemerkbar machte, hat der Arzt meinen Verdacht auf einen Leistenbruch bestätigt. Damit wurde mir das schwere Heben verboten. Seit dem sind wir, bis zum heutigen Tag, im Gespräch ob ich hier in Argentinien eine OP mache. Da das bedingt durch die argentinische Urlaubszeit viel Zeit braucht, sind wir noch nicht auf ein Ergebnis gekommen.
Jetzt mache ich in der Banco hauptsächlich die Systemarbeiten und helfe anders wo mit, so gut es geht.

Abschließend kann ich nochmals wiederholen, das ich sehr dankbar bin, dass ich das Jahr machen darf, der Dank geht an alle, die das ermöglichen, die mich unterstützen und mich begleiten.

Ich bin gespannt wie das letzte halbe Jahr werden wird. Um genau zu sein, sind es nur noch fünf Monate. Im Moment habe ich einen kleinen Durchhänger, aber ich denke das passiert so ab und an. Höchstwahrscheinlich liegt es daran, dass jetzt die großen Ferien in Sicht sind und deswegen die Arbeitsmotivation nicht so groß ist.

Es ist unglaublich, wie die Zeit vergeht. Nach meinem Urlaub und der geplanten Reise in den Süden von Argentinien, muss ich sage und schreibe nur noch 3 Monate arbeiten.

Dann geht es wieder nach Hause und ihr habt mich wieder.

Aber bis dahin bleibt noch mehr Zeit den Blog mit wundervollen Bildern zufüllen und im nächsten Eintrag erfahrt ihr etwas über das Fest der Vendimia, das Weinfest in Mendoza.

Viele liebe grüße Manu

 

Mendoza, die Provinz von Wein und Schönheit

2 Feb

So, es kommt ein etwas größerer Bericht auf euch zu. Ich hab mir schon länger vorgenommen einen Eintrag über die Stadt Mendoza zu schreiben.

Also habe ich die zwei Wochen Urlaub, die mir geschenkt wurden genützt, um die Stadt zu fotografieren. In der freien Zeit habe ich auch noch viele Weingüter angeschaut. Außerdem habe ich noch einen Tagesausflug zu den letzten Schönheiten der Provinz gemacht.

Die Provinz Mendoza ist eine sehr trockene Provinz. Sie zählt zu einer der Wüstenregionen auf der Erde. In Mendoza regnet es in einem Jahr so viel, wie in einer Woche in Buenos Aires. Im Vergleich dazu die Stadt San Rafael.. San Rafael hat 300 Sonnentage im Jahr. Die Stadt Mendoza hat nicht viel weniger.

Der Grund dafür ist recht einfach zu erklären. Durch die Anden wird die feuchte Luft vom Pazifik abgehalten. Deswegen ist es in Chile oft sehr neblig, wie im anderen Eintrag geschrieben. In Mendoza kommt dann nur die kalte trockene Luft an. Diesen Wind nennt man Zonda, wie auch schon des öfteren berichtet.

 Mendoza, die Stadt, ist aber eine einzige Oase. Das Wasser, welches Mendoza bezieht, hängt von den Schneefällen in den Bergen ab und ist in den letzten Jahren stark zurückgegangen. So wird alles bzw muss alles bewässert werden. Das hat einen unheimlichen Wasserverbrauch zur Folge. Aber es ist eben auch alles grün hier in Mendoza. Wenn man nur schon 5 km außerhalb von Mendoza ist, sieht man keinen einzigen Baum, nur Sträucher. Also jeden Baum, den es in Mendoza gibt, ist gepflanzt.


Jeder einzelne Baum. Das ist ganz schön beeindruckend wenn man die Bilder anschaut und sich das bewusst macht. Die sind teils ja auch wirklich richtig groß und es ist strickt verboten, Bäume zu fällen. Selbst Äste darf man nicht abschneiden. Sämtliche Vorhaben zur Änderungen müssen genehmigt werden. Wenn ein Baum umgestürzt ist und auf einem Haus liegt brauchen die Betroffenen eine staatliche Genehmigung zur Beseitigung. Selbstverständlich dürfen die Personen nicht selbst Hand anlegen. Die Bäume werden durch ein altes Wassersystem bewässert. Dieses wurde von den Inkas abgeschaut und übernommen. Das Wassersystem sind Kanäle, auf jeder Seite der Straßen. Je nachdem, wo das Wasser benötigt wird, werden Schleusen geöffnet. Die Kanäle sind nicht gerade klein, deswegen muss aufpassen, wo man hintritt.

In Mendoza gab es 1861 ein richtig starkes Erdbeben, wodurch die ganzes Stadt komplett zerstört wurde. Deswegen gibt es kaum irgendwelche Gebäude aus der Kolonialzeit. Bei dem Aufbau der Stadt wurde dann die Gefahr eines Erdbebens berücksichtigt. So wurden fünf Plazas konstruiert, welche als Fluchtort benutzt werden sollen, falls es nochmals zum Erdbeben kommen sollte. Diese Konstruktion ist normalerweise sehr untypisch für argentinischen Städte. Es gibt sonst immer nur einen großen Plaza in den Städten. Um diesen großen Plaza sind sämtliche wichtigen Regierungsgebäude, Banken, Kirche und weiter wichtige staatliche Organisationen angesiedelt.

Einige Bilder von den unterschiedlichen Plazas


Und hier bekommt ihr noch ein paar Eindrücke von Mendoza.

 


Ich hab vor meiner Reise ja viel über Mendoza gelesen. Unter anderem habe ich gelesen, das Mendoza die sauberste Stadt von Argentinien ist. Mit gutem Gewissen, kann ich sagen, dass das nicht stimmt. Das war in einer Zeit vor 20 Jahren, wurde mir gesagt. Aber hier ist es dreckig, es liegt sehr viel Müll herum. Eine Wegwerfkultur ist hier auch sehr ausgeprägt. Alles in einen Mülleimer, ohne Trennung. Wird nicht alles aufgegessen, wird es meistens danach gleich weggeworfen. Dabei schmerzt mir immer das Herz und ich sag auch immer. „Neeeeiiiiinn, dass ist morgen auch noch gut, ich esse das morgen auf.“

Das ist leider sehr schade hier und es ist sehr verbreitet!

Im Großen und Ganzen ist es schon sauber, aber wenn ich mich umschaue dann entdeckte ich immer Müll.

Auch wenn es in Mendoza und Umgebung über eine Millionen Menschen gibt, läuft der Nahverkehr nur über Busverbindungen ab. Die Busse fahren die ganze Nacht durch, auch wenn sich die Frequenz ändert. Ich kann mich tagsüber aber nicht beklagen, Ich warte maximal zehn Minuten auf den Bus in die Innenstadt.

Muss man in die anderen Bezirke von Mendoza, dann muss ich länger warten.

Das habe ich ja fast vergessen, die anderen Bezirke von Mendoza. Die Stadt hat sechs Bezirke: Centro, Godoy Cruz, Guaymallen, Lujan, Maipu und Las Heras. Die Provinz Mendoza hat insgesamt 16 Bezirke. Ich wohne im Bezirk Godoy Cruz und das ist nur drei Kilometer vom Centro entfernt.

Zusammenfassend habe ich einen sehr schönen Eindruck von Mendoza. Es ist ein wundervolles „Städtchen“, ob das an den kleinen Verspieltheiten liegt, die ich überall sehen kann weiß ich nicht.
Es gibt überall kleine Cafés und der Mix von Großstadt und „Wald“ gefällt mir sehr gut. Kleine Gassen, so wie in Radolfzell oder anderen alten Städten in Deutschland, gibt es nicht. Aber es ist auch der Flair, der eine Stadt ausmacht. Und Mendoza lebt! Während der Siesta allerdings nicht, da ist wirklich alles ausgestorben. Sonst wusselt es hier nur von lebhaften Menschen und das ist sehr schön.

 __

Das wichtigste habe ich aber vergessen.
Mendoza, die Stadt und die Provinz sind ganz wichtige Weinproduzenten. Insgesamt 70% vom argentinischen Wein kommen von Mendoza. Hauptsächlich der Malbec.

Das habe ich in den 2 Wochen ausgiebig auskundschaftet und ausprobiert.

 

Da Mendoza auf ca. 700 Meter über dem Meeresspiegel liegt und unglaublich viel Sonne hat, teils wechselnden Temperaturen zwischen Tag und Nacht, eignet sich Mendoza hervorragend für die Traubensorte Malbec. Den besten Malbec findet man in Mendoza.

Die Traube stammt ursprünglich aus Frankreich. In Frankreich, wuchs sie aber mehr schlecht als recht und wurde deswegen auch Malbec genannt. Wie der Zusammenhang war, weiß ich nicht mehr genau, aber Mal= Schlecht
So wurde die Traube nach Argentinien geschafft.. Alles was Mendoza geografisch zu bieten hat, ist perfekt für die Traube.
So habe ich mich für diverse Weintouren angemeldet und mehr über die Region erfahren und durfte sehr leckeren Wein kosten. Die Weingüter, manche alt, mache ganz neu, haben immer beachtliche Häuser die staunen lassen.

Die Technik, wie einen Wein hergestellt wird, ist im Grundprinzip natürlich immer gleich, doch es war sehr interessant die kleinen Unterschiede zwischen den unterschiedlichen Weingütern zu erfahren. Manche lagern den Wein sieben Monate im Fass, mache acht oder auch über ein Jahr. Da mein Papa mir letztes Jahr einen Floh ins Ohr gesetzt hat, von wegen „Warum wirst du nicht Master of Wine?“ hab ich mich so ein bisschen erkundigt, mehr nicht, aber hier dann.. ja…

 Also wurde mein Wunsch Weinbau und Önologie zu studieren immer ausgeprägter, da mich die kleinen Unterschiede und die dadurch zu schmeckende Unterschiede total faszinieren und ich mehr erfahren will. Danke Papa, das nimmt jetzt alles Form an und „bald“ schwimmen wir in Wein . :-)

Ich will euch natürlich diverse Bilder nicht vorenthalten die ich geschossen habe. So könnt ihr euch ein kleines Bild von dem machen, was ich sehen, riechen und kosten durfte.

Ich habe aber auch noch nicht alles von der Provinz gesehen. So entschied ich mich auch noch für eine Tagestour zu den noch fehlenden Puzzelteilen.

 Diese Puzzelteile waren: Puente de Inca, La Cruz, Cero Aconcagua, Las Curvas und Uspallata.

 Um halb sechs Uhr morgens klingelte mein Wecker und um kurz vor sieben Uhr stand ich mit ein paar Anderen bereit, abgeholt zu werden. Die Fahrt ging los. Erstmals sind wir in Richtung Norden gefahren und haben eine abgebrannte Steppenregion gesehen. Unser Tourguide erzählte, dass die Regeneration über 40 Jahre dauert. Dementsprechend wurde den damaligen Brandstiftern ordentlich eingeheizt.

Unser erster Halt war dann in einem Naturreservat, was weniger interessant war. Kurze Zeit später ging es dann kurvig auf einen Berg hinauf. Kurzer Halt mit einem mehr als fantastischen Ausblick .

Nächster Stop war dann auf 3000 Metern Höhe. Eine fantastische Natur mit tollen Felsenfarben, unglaublich, auch für jeden Geologen ein Traum.

 


Vielleicht hat euch diese Umgebung dann schon ein bisschen an “Sieben Jahr in Tibet” erinnert. Der Film wurde nämlich in der Region gedreht. Um genau zu sagen im Tal von Uspallata.
Uspallata ist auch ein ganz wichtiger Verkehrskontenpunkt. Wenn man in Uspallata steht, kann man sich aussuchen, wo`s hin geht ; nach Mendoza, in den Norden von Argentinien oder nach Chile.

Als wir nach Chile gefahren sind, sind wir auch genau hier durchgekommen, aber eben in der Nacht. Weniger interessant.

 Dann kam etwas ganz arg Faszinierendes. Die Puente de Inca. Das sind Thermalquellen.

Das ganze entsteht natürlich durch die ganzen Mineralien, die durch die Thermalquellen austreten und dann verdunsten.

An der Puente de Inca war auch ein Markt mit handgemachten Dingen, da kann man(u) sich natürlich Stunden aufhalten.

Das ist aber Typisch für jede Touristenattraktion. So ging es weiter zum Cero Acongacua. Natürlich nicht auf den Aconcagua, sondern nur ein Bilck auf die fast 7000 Meter. Der Aconcagua ist der höchste Berg außerhalb des Himalaja und hat genau 6972 Meter.

 Kurz eine Geschichtsstunde:

Erste Besteiger waren Schweizer, schnellste Besteigung war acht Stunden und der jüngste Besteiger war acht Jahre alt.

Keine 20 Kilometer weiter waren wir dann bei dem Las Curvas, übersetzt „Die Kurven“. Sie haben zurecht ihren Namen verdient, weil man auf kürzester Distanz 1000 Höhenmeter zurücklegt. So dass wir zum Schluss genau auf 4000 Metern über der Meeresspiegel waren.
Dort ist die Grenze zu Chile.

Und ein Denkmal, das ich weniger interessant fand, weil der Ausblick….. seht einfach selbst.

Kleine Süßigkeit! ;)
http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=qgga58RtH4I

Einfach toll!

4000 Meter sind aber auch nicht ohne. Ich bin noch ein gutes Stück weiter bergauf gewandert, um die Bilder zu schießen und war total kaputt. Außer Atem und zwei Wandenkrämpfe waren die Belohnung, hatte mich aber schnell wieder im Griff und konnte auf die Auslöser taste drücken.

 

Leider mussten wir dann schnell wieder los, die Reservierung im Restaurant wartete. Die Rückfahrt war ganz lustig, weil selbst auf Touren Siesta gemacht wird. Es gab dann aber auch nicht mehr allzu viel zu sehen. Um 8 Uhr abends bin ich hundemüde bei meiner Familie angekommen.

In der Woche darauf war ich dann bei der Familie von Sarah, einer anderen Freiwilligen, auch von Experiment e.V. und später dann auf dem Zwischenseminar in Buenos Aires. Aber das, erfahrt ihr beim nächsten Blogeintrag.

Viele Grüße Manuel :)

Weihnachten in Argentinien! Silvester in Chile!

2 Feb

So, weiter geht es in der Zeit nach dem Estancia Besuch.
Da ich ja am 12. Dezember wieder in Mendoza war, ließ mein Geburtstag nicht lange auf sich warten. In den 3 Tagen vor dem 15 Dezember haben Fernanda (Gastmutter) und ich überlegt, was wir denn machen könnten um den Geburtstag ein bisschen zu feiern. Wir waren recht ratlos, da wie auch in Deutschland, um die Weihnachtszeit immer alles vollgepackt ist mit Terminen, Weihnachtsfeiern oder mit Examen für die argentinischen Studenten. So beschlossen wir nur eine kleine Feier am Geburtstagstag zu veranstalten, im Kreise der Familie. Aber zuvor habe ich ein nicht so tolles Geburtstagsgeschenk bekommen. Mich plagte nämlich schon länger ein „ungutes“ Gefühl in der Leistengegend. So beschloss ich an meinem Geburtstag zum Arzt zu gehen. Der Arzt hat dann meinen Verdacht auf einen Leistenbruch bestätigt. Nichtsdestotrotz hab ich mir die Stimmung (wenigstens an diesem Tag ) nicht verderben lassen. So haben wir abends leckere Empanadas gegessen und ein wenig geschwatzt.

Doch nie nächsten Tage waren von Gesprächen in der Banco, mit meiner lokalen Betreuerin und der Oficina in Buenos Aires geprägt. Da eine Diagnose eines Leistenbruchs meistens die Aussage: „Sie dürfen nichts mehr Schweres heben!“ mit sich bringt, wurde überlegt, was wir in dieser Situation zu tun ist.
Für alle die nicht wissen was ein Leistenbruch ist oder wie er zustande kommt, ein kleiner Auszug aus Wiki:

Ein Leistenbruch, auch Inguinalhernie (lat. Hernia inguinalis) genannt, ist ein Eingeweidebruch (fachsprachlich Hernie) im Bereich des Leistenkanales. Muskeln, Sehnen und Bindegewebe bilden die feste äußere Hülle der Körperhöhlen, wie zum Beispiel des Bauchraums. Kommt es an dieser Hülle zu Schwachstellen, entstehen Lücken – so genannte Brüche (Hernien). Der Leistenbruch ist neben dem Nabel-,Schenkel- und Narbenbruch die häufigste Hernie. Er tritt bei Männern und Frauen aller Altersgruppen im Verhältnis Männer : Frauen = 9:1 auf. Im Kindesalter tritt er bei 1–3 % aller Kinder, bei Frühgeborenen bei etwa 5 % auf. Die Behandlung erfolgt in den meisten Fällen chirurgisch. Ein Bruch sollte immer rechtzeitig operiert werden, da die Gefahr einer Einklemmung mit Absterben von Darmteilen besteht. Sterben zum Beispiel Darmteile ab, führt dies unweigerlich zu einer lebensgefährlichen Situation.

Im Erwachsenenalter kann neben einer Veranlagung im Sinne einer Bauchwandschwäche oder zu weitem Leistenkanal, eine Erhöhung des Bauchinnendrucks zum Beispiel durch körperliche Schwerarbeit, chronisches Husten, starkes Pressen bei chronischer Verstopfung etc. die Bildung eines Bruches auslösen. “

So wurde hin und her diskutiert, was ich jetzt in der Banco machen kann und ob ich eine Operation hier in Argentinien machen soll oder nicht. Bis heute weiß niemand so recht was das Beste ist. Ich bekomme nur ab und an immer stärker das Gefühl das man in Argentinien oft aneinander vorbeiredet und dadurch unglaublich viele Missverständnisse entstehen. So gab es die eine oder andere Differenz, aber die weitere Vorgehensweise ist, warten bis zum Zwischenseminar. Das Zwischenseminar lässt nicht lange auf sich warten und findet vom 22. Januar bis zum 25. Januar in Buenos Aires statt.

Ja so war die Weihnachtszeit ein bisschen von diesem Themen beeinträchtigt. So recht wollte Weihnachtstimmung auch nicht aufkommen, aber das hatte andere Gründe:

Ich bin hier ja im totalen Sommer, 30-40 Grad hat es immer, auch in der Nacht kühlt es kaum ab. Regnen tut es hier sowieso nicht. So hab ich mir des öfteren gedacht : Weihnachten im Sommer? Die spinnen die Argentiniern!!
Aber auch für alle anderen Deutschen in Argentinien wollte nicht so recht ein Weihnachtsgefühl aufkommen. Bei immer zu blauem Himmel und totaler Hitze ist das auch irgendwie „normal“?!

Am Weihnachtsabend bzw. in der Weihnachtsnacht war sie dann aber auf einmal da. Ich muss sagen das ich ein sehr schönes Weihnachten, ein ähnliches, aber doch sehr anderes erlebt hab.

So wurde Mittags alles vorbereitet und bis alles fertig war.

Wir sind um 8 Uhr in die Kirche gegangen, aber die Kirche war unglaublich voll, so das wir draußen stehen mussten. So standen wir eine Stunde da, ohne was zu hören bzw. ab und an haben alle was gesagt oder gesungen. Melodien sind auf jedenfalls überall gleich und so konnte ich „Stille Nacht, heilige Nacht“ heraushören. Danach sind wir dann nach Hause gefahren und haben gewartet bis die ganze Familie von Seiten meiner Gastmutter eingewandert war.

Schon wurde das Essen aufgetischt und der erste Wein aufgemacht. Natürlich gab es nur ein kaltes Büfett weil es um 10 noch recht warm warm. Doch es hat erstaunlich stark abgekühlt über Nacht, so das ich irgendwann mit langer Hose und Pulli da saß. Es war sehr angenehm!
Um genau 12 Uhr kam dann „Papa Noel“ der Weihnachtsmann und hat die Geschenke für alle vom Dach heruntergelassen.

So wurde das Chaos nach und nach ein immer Größeres, und das Strahlen der Kinder ein immer Größeres.
Ich habe ein unglaublich tolles Geschenk bekommen.

Ein Weinset, mit Weinöffner und Thermometer. Unglaublich toll!

Dann wurde ein Feuerwerk veranstaltet. Ein kleines aber schönes.
Langsam aber sicher ging das Fest dann zu Ende, so gingen erst die Großeltern und später waren nur noch die Schwester von Fernanda da. Mit dem Ehemann hab ich dann Champanier getrunken, Männergespräche geführt und um fünf Uhr morgens sind wir alle schlafen gegangen.
Es war ein ganz schönes Weihnachten.

Genau so schnell wie die Weihnachtstimmung aufgekommen ist, war sie auch wieder verflogen.
Montag ging es dann gleich zum Arbeiten. Aber in der Banco war die Stimmung ausgelassen, außerdem war nicht viel los.
Einige Commedore haben geschlossen über Weihachten und Neujahr, sodass es unter der Woche nicht allzu viel zu tun gab.
Dann kam die Nachricht das die Banco die ersten 2 Wochen geschlossen sein wird. Begierig darauf 2 Wochen reisen zu können und die Eventualität eine Woche dazu frei zu bekommen war groß.
So hätte ich 3 Wochen am Stück nach Ushuaia reisen können. Anfangs kein Problem mit der Stimmung : „Jaja das wird überhaupt kein Problem darstellen“ wurde mir es verboten alleine zu Reisen. Auf Grund meines Leistenbruchs. Meine Verärgerung war sehr groß und wie gesagt, es gab „Differenzen“ aber schlussendlich bin ich ein braver Freiwilliger. Wäre irgendwas auf der Reise passiert, wäre es der Oficina an den Hals gegangen. Aber mir passte das alles trotzdem nicht so ganz in den Kram.

Jedoch war erstmals Silvester angesagt. Eine Reise nach Chile, mit der ganzen Familie war angesagt. Das wurde mir erlaubt, weil sie meine Situation kannten und im Notfall hätten handeln können. So verbrachten wir 5 Tage in Chile. Am 28 Dezember ging es Nachts los und wir stürmten die chilenische Grenze. Zuvor musste ein Schuldfreund von meinem Gastbruder mit 2500 Argentiniern an der Grenze mehrere Stunden warten. Wir waren gespannt auf unsere Zeit!

Nach der Grenze waren wir 2 Stunden später, um sieben Uhr morgens, in Chile.
Auf der weiteren Fahrt zu den gemieteten Apartments war ich beeindruckt von der Vegetation in Chile. Es war natürlich viel viel kälter und es ist von morgens bis um ein Uhr oder manchmal auch drei Uhr neblig. Das Positive daran ist, das es recht feucht ist und es somit viel grüner ist.

Aber es ist schon total beeindruckend, da fährt man mal so „kurz“ über die Anden und ist wirklich in einer ganz anderen Vegetation. Gegen Mittag sind wir dann angekommen und waren alle sehr erschöpft, Schlaf haben wir auf der Fahrt nicht viel bekommen und so haben wir alle fast den restlichen Tag verschlafen. Eben nur fast, so ging es später in den Pool und zur Besichtigung an den Strand.
Wir waren in der Nähe von Concon, ein ganz beliebter Neujahrsfeierort für Argentinier.
Aber der Strand in der Nähe von unseren Apartments war nicht so schön, viele Algen und scharfe Muscheln. Aber wir waren an einem anderen chilenischen Strand und dort war es sehr schön. Auch die Mädels an dem Strand waren alle sehr schön! ;) Aber ich war mit einem sehr guten Buch beschäftigt!

Und wie ich finde habe ich ein tolles Foto dort geschossen!

Allgemein, waren die Tage in Chile sehr ruhig. Auch Silvester war sehr sehr ruhig. Dieses mal, war die ganze Familie von meinem Gastvater da. Alle in Chile. So haben wir wieder leckere Sachen gegessen und um 12 Uhr haben wir Feuerwerke angeschaut. Es ist nicht so, das jeder wie an Weihnachten selber Feuerwerkskörper verböllert, sondern das die Stadt ein professionelles Feuerwerk springen lässt. Jeder hat sich „Feliz ano nuevo“ gewünscht und schlussendlich war ich um halb 2 im Bett. Ein wenig zu früh für meine Verhältnisse. Und in solchen Momenten merkt man dann doch immer recht schnell wie sehr man seine Liebsten vermisst.

Nach vielen Stunden Schlaf sind wir dann nochmals zum Strand und ich hab ein bisschen die Umgebung erkundigt! Fotos geschossen, das ihr auch einen Eindruck bekommt.

 

Sehr luxuriös war diese Kleinstadt und es war Anfangs sehr ernüchernd.
Da fahr ich durch ein wirklich armes armes Dorf und 2 Kilometer weiter eine Luxusstadt. Allgemein bekam ich recht schnell den Eindruck, das Chile ein Land der wirklich richtigen krassen Gegensätze ist. Die Kluft zwischen Arm und Reich ist gewaltig. Das sieht man auch, wenn man mit dem Auto durch das Land fährt.

An einem Tag wurde uns dann auch noch ein Reifen auf gestochen, aus welchem Grund auch immer. Es gibt ja eine „Feindschaft“ zwischen Argentinien und Chile. Vergleichbar mit dem in Deutschland und den Franzosen. Also auf keinen falls ernst oder wirklich böse gemeint. Eher so : Jaja die Chilenen halt!
Wir kennen das ja. :)

Am zweiten Januar sind wir wieder heimgefahren. Todmüde, aber ich hatte ja Aussicht auf zwei Wochen ohne Arbeit.
In den zwei Wochen habe ich viele, viele Weintouren gemacht. Aber davon könnt ihr in Kürze bei meinem nächsten Eintrag lesen. Dann gibt es sehr, sehr viele tolle Bilder !

Manu

Tage in La Falda

14 Jan

Ein frohes neues Jahr wünsche ich euch. Das Jahr der Rückkehr :)

Ja, es gibt ganz viel zu berichten, Estancias, Geburtstag, Weihnachten und Neujahr. Aber ich werde erstmal von meinem Aufenthalt in La Falda berichten,
Weihnachten und Neujahr, kommt bald nach.

Beim letzten Eintrag hab ich ja verlauten lassen, dass ich eventuell auf eine Estancia gehe, auf deutsch eine Argentinische Farm.
Das hat auch alles super geklappt und so bin ich mit Jan nach La Falda gefahren. La Falda liegt nicht weit von der Provinzhauptstadt Cordoba und ist ein superschönes, kleines Städtchen.
Jan, ein unglaublich lustiger anderer Freiwilliger der gleichen Organisation, arbeitet in Chilecito in einem Comedore für Kinder. Er hat auch einen Blog http://empujan.wordpress.com/ falls ihr unseren Ausflug von der anderen Seite erfahren möchtet oder auch mehr über sein Projekt und ihn selbst.

Der Ausflug in die völlig andere Vegetation, La Falda – Cordoba

Am 7. Dezember bin ich um halb 8 abends in Mendoza mit dem immerzu komfortablen Bus nach La Falda los gefahren und total übermüdet um halb 6 angekommen. Dazu war ich schon total eingefallen, denn das von mir erwartete Essen hat es leider nicht gegeben und so musste ich mich mit den leckeren Facturas (Gebäck) die Jan aus Chilecito mitgebracht hat vergnügen und war echt dankbar dafür.
Diese Mahlzeit war auch nötig. Wir mussten nämlich erstmals überlegen was wir machen. Nach einer guten Stunde, einem etwas seltsamen Gespräche mit einem aus dem Schlaf aufschreckenden Brasilianer waren wir uns einig, auf die nahe liegenden Berge hoch zustiefeln. Gute Idee aber anfangs schlecht umgesetzt. So sind wir erstmals ein „bisschen“ umhergeirrt und haben 2 Stunden den Aufstiegspunkt zur Bergspitze gesucht. Als wir ihn dann endlich gefunden haben, haben wir in einstimmig als interessant befunden. Er war nämlich nicht wirklich erkennbar und sehr steil. Aber nach einem anstrengenden Aufstieg von 15 Minuten sind wir überraschend auf einen guten Trampelpfad gestoßen. Ja RunningGag bei unserm Umhergeirre und Rumspatzieren war „Und nicht anstrengen“ da Jan ein Nasennebenhöhlenentzündung hatte und Antibiotika nehmen musste. Sein Arzt hat ihn natürlich gebeten, sich deswegen nicht anzustrengen. War lustig.

Interessant waren auch 2 Hunde. Sie waren verliebt in uns oder haben in uns 2 hilfsbedürftige Hämpflinge gesehen. Wir wussten es nicht aber diese Hunde, ohne sichtlich erkennbaren Besitzer, haben uns vom Dorf bis auf den Berg hoch begleitet

Nach ein paar guten Höhenmetern haben wir unsere Rucksäcke zurückgelassen und sind, man möge es querberghoch nennen, den Berg hochgeklettert. Und nach dem anfänglich richtig schönen Wetter hat uns dann ein umschlagendes Wetter einen trotzdem sehr schönen Ausblick geschenkt. Und lustige Bilder.

Nach ein paar Regentropfen, auffrischendem Wind und dem Gedanken die 3 Tage total krank zu verbringen, mussten wir unseren unersättlichen Drang den Berg hoch wandern zu wollen, aufgeben und haben uns auf den Rückweg gemacht. Froh, dass die Rucksäcke noch da waren, haben wir das letzte Stück erstaunlich schnell zurückgelegt. Die Schließungszeiten des historischen Hotels Eden sind uns, so dachten wir, bedrohlich nahe gekommen. Gut erschöpft sind wir dann angekommen und waren von dem „historischen“ Hotel leicht enttäuscht. Es war total heruntergekommen und hatte nicht mehr die Pracht, die es früher mal hatte. Doch das Hotel hat wahrlich eine beeindruckende Geschichte. Von Deutschen erbaut und besucht von Albert Einstein, Adolf Hitler und anderen Persönlichkeiten, war es in den 30-40gern eine nationalsozialistische Hochburg.

Allgemein ist La Falda geprägt von dieser Zeit. Das Städtchen erinnert in so manchen Teilen an ein deutsches Städtchen. Ganz Cordoba (Provinz), grob gesagt, war sehr beliebt bei den Nationalsozialisten. Konnten sie sich später dorthin zurückziehen oder absetzen.

Hungrig sind wir dann für die nächsten Tage einkaufen gegangen. Beim Einkaufen hab ich eine beachtliche Leistung vollbracht. Wie wir, Jan und ich eh immer rumgeschertz haben und eh dauernd was zu lachen hatten, haben wir beschlossen das derjenige, der dem geschätzten Einkaufspreis am Nächsten liegt, ein Eis vom andern bekommt.
Jan hat optimistisch auf 280 Peso geschätzt und ich nach hin und her auf 340 Peso geschätzt.
Schlussendlich hat sich meine mathematische hochgeschwindigkeits-Preis-zusammenrechnen-Fähigkeit ;) nur leicht geirrt. Auf dem Bon (ich hab ihn aufbewahrt) stand ein Betrag von genau 339,93 Peso. Viel gestaunt und wirklich unglaublich viel gelacht haben wir.

Und dann haben wir neben dem Supermarkt gegessen. Urplötzlich hielt ein Taxi an und hat gefragt ob wir die sind, die auf die Estancia wollen. Zustimmend und richtig verdattert haben wir dann einen Treffpunkt ausgemacht, schließlich mussten wir noch in einen Alfajores-Laden.
Eigentlich hatten wir uns auf einen Treffpunkt zu einer späteren Uhrzeit geeinigt und an einem völlig anderen Ort. Aber es gab eine “übernatürliche” Entwicklung / Missverständnis oder wie auch immer zu unseren Gunsten, sodass uns eben dieser Taxifahrer exakt zu der Essenszeit und am Essensort angesprochen hat. Alles zu Ungunsten einer uns unbekannten Person, die eigentlich auch auf die Estancia wollte aber jaa… Das war alles so verrückt, dass ich es nicht aufs Papier bringen kann.

Die Fahrt war nun ja, um nicht zusagen speziell. Der Taxifahrer war total verrückt. Er ist der einzige, der die Leute auf die Estancia bringt und alle anderen Taxifahrer halten ihn auch für verrückt. Die Piste, die zur Estancia führte, war mehr als spektakulär und mehr als eine harte Massage. Jan ist ein bisschen größer als ich, aber das hat gereicht, dass sein Kopf eine Diskussion mit dem Dach des Autos hatte. Sowie das Auto Diskussionsbedarf mit der Strasse hatte.


Nach eineinhalb Stunden sind wir dann angekommen und mussten uns erstmals ausruhen.

Ja, die Estancia, die habe ich mir echt total anders vorgestellt. Erstens nicht so weit außerhalb und
zweitens musste man immer Bescheid geben, wenn man warmes Wasser haben wollte und so wurde dementsprechend Holz aufgelegt.
Aber nach einer Nacht sah das schon ganz anders aus. Jan und ich sind’s ja gewöhnt, uns schnell an andere Sachen zu gewöhnen. Das passiert zwangsläufig, wenn man nach Argentinien kommt.
Auf der Estancia war noch eine Deutsche namens Sonja. Sie hat dort geholfen und deswegen musste sie für nichts zahlen. Außerdem eine norwegische Touristin. Mit Beiden haben wir uns dann abends rausgesetzt und ich habe das erste Mal in meinem Leben Glühwürmchen gesehen.
So haben wir den ersten Tag ausklingen lassen und sind spät ins Bett.

Am nächsten Tag sind wir zum nahe gelegenen Fluss gegangen. Das war sehr schön, aber auch sehr heiß.

Und schlussendlich gingen wir zur Abkühlung baden.
Ich hab mir ein paar Kratzer zugezogen. Ihr müsst wissen, dass dort jeder Strauch Dornen hat. Das ist echt richtig schmerzhaft.
Ich wollte unbedingt auf einen hohen Felsen klettern und bin dann irgendwann auf allen Vieren gekrabbelt. Letztlich musste ich aufgeben, weil das Gestrüpp zu dicht war.

Nachmittags haben wir uns wieder einmal gemütlich dem Nichtstun hingegeben und uns mental auf den bevorstehenden Pferdeausritt vorbereitet.

Ja, das war echt eine richtig gute Erfahrung. Ich war ja davor immer sehr skeptisch, was Pferde angeht. Skeptisch ist ja noch positiv ausgedrückt. Aber das war wirklich richtig toll.
Ich bin natürlich mit richtig viel Respekt auf die Pferde zu gegangen und das haben sie auch verdient. Pferde sind ganz majestätische Tiere.

Als wir später einen „Gaucho“ beim Lasso schwingen in vollem Galopp gesehen haben, war ich echt begeistert. Was es mit diesem „Dressurgetue“ auf sich hat, weiß ich natürlich immer noch nicht und bin ich auch immer noch sehr skeptisch ;). Aber das, was ich gesehen ha,b war wirklich faszinierend.
Aber leider hat er mit dem Lasso keine Kuh einfangen können. Die sind ja auch so richtig schnell, wenn sie in Stress geraten.

Dann war der Tag zu Ende und wir haben uns nachts wieder rausgesetzt und viel geredet.

Am nächsten Tag ging’s dann im Vergleich zu den andern Tagen früh los. Wir sind mit der Besitzerin der Estancia zu einer alten Jesuiten-Estancia gefahren und haben noch eine alte Goldmine angeschaut. Dazu gibt es viel Bilder.

 

 

Auf dem Weg zur Goldmine
Goldmine
Ja im Laufe des Tages gab es dann ein lustiges Gespräch, welches vor allem für Jan lustig war. Er musste fast noch die ganze Fahrt darüber lachen. Ich zitiere aus seinem Blog:

„Gespräch des Tages: Wir sitzen im Auto auf der Rückfahrt von der Jesuitenstätte, sind alle etwas müde bzw. schweigsam. Manu und ich essen gerade genauso schweigsam unsere mitgebrachten Äpfel. Plötzlich fragt mich Manu: “Sag mal, stirbt man eigentlich, wenn man sich nur von Äpfel ernährt?“ Ich völlig verdattert: „Äh, keine Ahnung“ Nach kurzer Besinnungspause: „Auf jeden Fall wird es einem sicher nicht allzu gut gehen, da einem ja einige Stoffe fehlen werden.“ Manu: „Insbesondere Kohlenhydrate … aber ein paar wenige haben die ja auch“ Ich völlig gleichgültig: „Dann musst du mindestens 500.000 Äpfel pro Tag essen“ Manu total in die Materie vertieft und „ernsthaft“ ausrufend: „WAAAS? 500.000????“

Es war die totale Situationskomik, aber wie wir gelacht haben…..

Bei der Rückfahrt von der ganzen Tour, war dann die Besitzerin in Eile. Diese Fahrt war echt unangenehm. Schlussendlich sind wir gut angekommen und waren ein wenig traurig, weil der der nächste Tag bereits der Abreise Tag war.

So haben wir Sonntags noch die außer städtische Ruhe genossen und wurden gegen Nachmittag nach La Cumbre (14 Km entfernt von La Falda) gebracht. Für mich war das ein ganz besonderer Tag, wie sich herausstellen sollte. Erstmal waren wir Eis essen. Nein keine Waffel mit 2 Kugeln sondern ein halbes Kilo zu zweit. Und das Eis in Argentinien ist ja einfach sooo unbeschreiblich lecker. Also haben wir uns nach dem halben Kilo Eis angeschaut und beschlossen, nocheinmal ein halbes Kilo zu kaufen. Die gleiche Eisdiele wäre ja langweilig gewesen und die nächste war nur 50 Meter entfernt. Kein langer Weg, dachte ich mir, und so haben wir unseren Standpunkt um 50 Meter verändert. Da Jan und ich Eis lieben, sind unsere Geschmacksknospen natürlich sehr ausgeprägt und wir nahmen beide die selben Eissorten -zum Vergleich!

Und dann, dann kam meine Stunde. Wir liefen zur Bushaltestelle. Aber auf dem Weg dorthin kam uns ein Laden in die Quere. Jan beabsichtigte, sich einen Hut zu kaufen. Folglich gingen wir in den Laden.

Ich sag’s euch, es musste so sein, dass ich in diesen Laden komme.
In dem Laden hat sich eine Liebesgeschichte abgespielt wie keine andere. Liebe auf den ersten Blick.
Ich habe diesen Hut gesehen – und er mich. Ein argentinischer, handgemachter Lederhut. Der Hut hat natürlich zu mir gesprochen und gesagt „Manuuel Maaaaannnuuuelll ich bin dein!“

Ich hab ihn anprobiert und………. – perfekt. Dieser Hut wurde für mich gemacht! Er war einfach perfekt. Alle Leute haben mich bewundert als ich ihn auf hatte. Und so wurde er mein.
Und das ist er!

So war ich der glücklichste Mensch auf Erden. Froh, dass ich einen “treuen Lebensbelegeiter” gefunden hatte.
Und so ging der Tag zu Ende. Ich bin Nachts um halb 12 wieder mit dem Bus heimgefahren und morgens um 9 in Mendoza angekommen. Dort wurde ich von meiner Gastmutter abgeholt. Anschließend war wieder Arbeit in der Banco angesagt. So ging ein wunderbares langes Wochenende zu Ende auf das ich gerne zurückschaue.


Manu

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